Heft 
(1917) 25
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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zu, indem der alte Aberglauben von der wundertätigen, verjüngenden und die Schönheit erhaltenden Kraft des Osterwassers zahlreiche junge Leute veranlaßte, aus der Spree Wasser zu holen resp. die Wasserholenden zu necken und zu beunruhigen. Namentlich ging es an der alten Herkulesbrücke sehr lebhaft zu, so daß die Aufsichts­beamten mehrfach dagegen einschreiten mußten. Ich gebe diese Nachricht wieder, um Kundige zu veranlassen, ein späteres Oster- wasserholen aus der Spree in Berlin sicher festzustellen. Aus Brunnen wird das Osterwasser vielleicht noch heut geschöpft.

O. Monke.

Ich habe das Osterwasserholen in Berlin milangesehen ungefähr um 1860 an der Weidendammer Brücke. Dort stiegen um Mitternacht Dienstmädchen und junge Bürgermädchen zur Spree schweigend hinunter. Sie wurden aber von Soldaten aus der benachbarten Kaserne des 2. Garderegiments und von Studenten weidlich geneckt, um sie zum Sprechen zu bringen und nur wenige waren so standhaft, trotz aller derben Scherze beim Wasserschöpfen zu schweigen.

E. Fr.

Erinnerungen an Küster Ewald in Bernau. Bei der Wander- fahrt derBraudenburgia nach Bernau (Mark) am 7. Mai 1916 besuchten wir auch das Grab des langjährigen, verdienstvollen Küsters Ewald von St. Marien. Aus Anlaß seines am 17. Oktober d. Js. gewesenen 80. Geburtstages brachten die Eberswalder Heimatblätter auf S. 1637 eine Erinnerung über das tätige Leben und die Schick­sale dieses Mannes, dessen Hauptinteresse den Altertümern der Bernauer Kirche galt. Er forschte nach ihrem Alter, stellte den künstlerischen Wert der Kunstschätze fest und sorgte für deren Erhaltung. Zerstreut herumliegende Schätze sammelte er, wie sie jetzt das von ihm zum Museum eingerichtete Chor über der Sakristei zeigt. Ew'ald durchforschte unterirdische Gänge und verfallene Gräber, entdeckte Malereien hinter dem weißen Putz der Wände. Er war es auch, der die mächtigen doppelten Flügelklappen des großen Altar­schreins der Bernauer St. Marienkirche, auf dessen inneren Flächen sich vergoldete Figuren von Heiligen usw. befinden, vor der Vernage­lung gerettet hat. Die Scharniere der schweren Flügel waren nämlich seit undenklichen Zeiten eingerostet gewesen. Freundliche Winke, die Bilder dieses Kunstschatzes ans Licht zu ziehen, hatten nicht gefruchtet und so wollte man früher niemals recht daran glauben, daß die Flügel sich öffnen lassen, denn damals war kein amtlicher Konservator, der wirksame Unterstützung in solchen Angelegenheiten bot. Schließlich gelang es aber Ewald doch, den Kirchenvorstand zu überzeugen. Hatte auch der Flügelaltar durch die Verwahrlosung von Jahrhunderten an Vergoldung, Farbe, Verzierung und einzelnen Figuren gelitten, so ist er doch im wesentlichen wohl erhalten und unangetastet, ein seltener Schmuck, wie er nur noch in wenigen unserer heimischen Kirchen anzutreffen ist. Der Meister dieses Kunst­werkes ist unbekannt. Die Zeit läßt sich meines Wissens ebenfalls nicht genau bestimmen. Die Malerei selbst ist von einer Technik, die in Sauberkeit und der Feinheit der Gesichter hervorragend ist.