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Kleine Mitteilungen.
Ob die Gemälde einem Meister der „Nürnberger Schule“ um 1460 bis 1500 zuzuschreiben sein dürfte, läßt sich nicht sagen. Es kann auch Cranachs (sowohl des Jüngeren als des Aelteren) Werk sein. Vielleicht anch nur eine Kopie von einem seiner Schüler. Als dann im Jahre 1882 Kaiser und Kaiserin Friedrich, damals Kronprinzenpaar, die Kirche besichtigten, erregte auch eine kostbare Altardecke ihre Aufmerksamkeit. Die prächtige Decke zeigt einen Löwen und 5 Lilien. Es wurde später ergründet, daß es das Wappen der Familie de Goulart aus der Champagne oder der Familie de Barville aus der Isle de France sei, Baum, 2 Sterne, Sparren und Halbmond aber das Wappen aus der Familie de Sappin des Ragnands aus der Auvergne zeigt. Es ist ein sogenanntes Alliance-Wappen zwischen einem Herrn v. Goulart oder v. Barville mit einem Fräulein de Sappin des Ragnands. — Ewald hat seine wissenschaftlichen und künstlerischen Errungenschaften in einer handschriftlichen Chronik zusammengefaßt, die seine Nachkommen der Bernauer St. Marienkirche geschenkt haben. So hat denn uuser Ewald den Ruf der großartigen Bernauer Stadtkirche ins weite Land getragen.
Bernau (Mark). Wirth v. Weydenberg.
Böttcherschilf oder Rohrkolben oder Lieschkolben oder Schmackedutz ken — oder Bum skeulen s ind märkische Volksnamen für - dleTJferpflanzen Typha fatTFoIia und angustifolia, mit denen sich unsere Jugend gern zu allerhand Scherz befaßt, j Unser bekannter Potsdamer Fischkundiger Lehrer Bugow ist zwar für die Ausrottung der Schmackedutzken, weil sie angeblich zur Versumpfung der Fischgewässer bpitragen. Aber es ist der zähen, wetterfesten Pflanze nicht so leicht beizukommen. Auch sind die Kolben nützlich. Die Deutschen Kolonial-Kapok-Werke in Rathenow kaufen die Kolben zum Stopfen von Polstern als Ersatz für die Kapokwolle (Wollbaum, Eriodendron), die sonst aus China von uns bezogen wird, während des Krieges aber unerhältlich ist. Die Fabrik bietet für 100 Kilo der vom Stengel abgerupften Wolle 20 bis 25 Mk. Daneben können Stengel und Blätter als Streu dienen. (Mitt. des Fischerei-Vereins für die Prov. Brandenburg, Jan. 1916.) E. Fr.
Notwendigkeit der Schaffung von Moorschutzgebieten. Sowohl Hoch- wie Nieder Moore in ursprünglicher Gestalt werden immer seltener. Unser Schonrevier am Plagefenn bei Oderberg i. M. enthält einiges Moorgelände. Die Moore des Grunewalds z. ß. zwischen Hundekehlen und Grunewald-See werden leider von den Besuchern im Sommer arg mitgenommen. Iin Jahre 1905 war ich in den Hochmoorgegenden nahe der Malerkolonie Worpswede unweit Bremen und konnte noch den unverfälschten Eindruck der einsamen Moorlandschaft genießen. Jetzt wird gerade das Moorland im Nordosteu durch die umfänglichen Meliorationsarbeiten, die mit Hilfe zahlreicher russischer Kriegsgefangener bewirkt werden, bedeutend beengt und bedrängt. (Vgl. die Denkschrift u. E. Mitglieds Hugo Conwent’s nach den Beratungen der VII. Konferenz für Natnrdenkmalpflege in Berlin, 3. u. 4. Dez. 1915, an der ich namens der Brandenburgs teilnahm.)
E. Fr.