Heft 
(1917) 25
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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Berliner Drosclikenwesen. Aus einem interessanten von Dr. Arnheim im Verein für Geschichte der Mark Brandenburg ge­haltenen Vortrag werden uns folgende dankenswerte Angaben zur Verfügung gestellt betreffendFriedrich Wilhelm I., Friedrich d. Gr. und die Berliner Droschkenkutscher. Die Entstehung des Berliner Droschkenwesens ist dem aus der preußischen Hofgeschichte des 18. Jahrhunderts wohlbekannten Freiherrn Karl Ludwig v. Pöllnitz zu verdanken, der Ende 1739, in einer Sitzung des Tabakskollegiums, Friedrich Wilhelm I. für eine Nachahmung des Londoner und Pariser Fiakerwesens zu gewinnen wußte. Am Weihnachtsmorgen begann in der Hauptstadt, zunächst probeweise, ein öffentlicher Droscbkenbetrieb. Die mit finanzieller Unterstützung des Königs Mitte Januar 1740 ge­gründete Berlinische Privilegierte Fiakergesellschaft, deren fünfzehn, mit großen weißen Nummern versehene Droschken an fünf Halteplätzen dem Publikum für Fahrten inner- und außerhalbdes Walles, für Stundenfahrten usw. nach einem bestimmten Tarif zur Verfügung standen, hatte anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Fahrgäste bestanden fast nur aus Mitgliedern der Hofgesellschaft, während die Berliner Bürger von der neuen Einrichtung nichts wissen wollten und über die nach den damaligen Preisverhältnissen allerdings ungewöhnlich hohe Taxe laut schimpften. Die Herabsetzung des Tarifs und andere Maßregeln nützten wenig. Erst nach der Thron­besteigung Friedrichs des Großen trat eine Besserung ein, so daß die Zahl der Fiaker 1744 auf 20 vermehrt werden konnte. Besonders kamen den Droschkenkutschern, die seit Herbst 1743 im neuen Operhause während der Karnevalszeit (Dezember und Januar) all­wöchentlich stattfindenden Redoutenbälle zugute. Sie eröflfneten ihnen nicht nur eine neue, reichlich fließende Einnahmequelle, sondern ver­schafften ihnen bald sogar die Ehre, Friedrich den Großen öfters in Höchsteigener Person zu ihren Kunden zählen zu dürfen. Aus ungedruckten Quellen im Charlottenburger Königl. Hausarchiv erhellt u. a., daß der Monarch am Sylvesterabend 1748 für die Fahrt vom Schlosse zur Opernredoute sich einer Droschke bediente, daß er Januar 1751 an zwei Re'doutenabenden einen Fiaker (einmal: den Fiaquer Nr. 21) stundenweise mietete, und daß er aus Sparsamkeits- rücksichten für den ganzen Karneval 1751/52 eine Art Droschken­abonnement beim Fiakerbesitzer Peter Walther nahm, der infolgedessen für seinen Landesherrn jedesmal den tarifmäßigen Fahrpreis von 16 auf 12 Groschen ermäßigte. Das Beispiel des Königs, der auf solche Weise die Berliner Droschken gleichsamhoffähig gemacht hatte, ward nunmehr von den übrigen Mitgliedern des Herrscherhauses und von den Spitzen dea Hofgesellschaft fleißig nachgeahmt. Die Zahl der Fiaker stieg 1769 auf 36. Der bald nachher eintretende Niedergang des Droschkenwesens hatte verschiedene Ursachen. Vor allem wurde das Betragen der Kutscherein so ungesittetes und ruchloses, daß Personen höheren Standes und Frauenzimmer sich eines Fiakers nicht mehr zu bedienen wagten. 1784 gab es nur noch 7bespannte Fiakerin ziemlich gutem Stande. Im Jahre 1794, also kurze Zeit nach dem Tode des großen Königs, hörte die Droschkeneinrichtung bis auf weiteres vollständig auf.