Heft 
(1919) 27
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Heimatkunde und Schulreform.

Von Dr. Albert Kiekebusch.

Wiederholt ist in unserer Zeitschrift¹) auf die wachsende Bedeutung der Heimatkunde hingewiesen worden. Wir können und müssen damit rechnen, daß gerade in diesen traurigen Wochen der Sinn für die Heimat geweckt wird. Wir dürfen uns dessen freuen, daß alle, die für ober­flächliche und rauschende Aeußerungen der Lebensfreude heute wenig oder nichts übrig haben, Stunden und Tage der Muße dazu verwenden möchten, die Heimat gründlicher kennen zu lernen.

So hat die schwere Zeit mit ihren überaus trüben Begleit­erscheinungen das Leben und die Tätigkeit unserer Gesellschaft für Heimatkunde" nicht nachteilig beeinflußt. Im Gegenteil sind Anmeldungen neuer Mitglieder wohl kaum je so zahlreich eingelaufen wie in den letzten Vierteljahren. Dieser Aufschwung legt unserer Gesellschaft die Ver­pflichtung auf, nach Kräften alles zu tun, was die eintretenden Mitglieder von ihr erwarten. In den neuen Freunden hoffen wir tüchtige Mitarbeiter im Dienste der Heimatpflege und der Verbreitung heimatkundlicher Kenntnisse zu gewinnen.

Es ist kein Zufall, daß in letzter Zeit gerade viele Mitglieder aus Lehrer-, Oberlehrer- und Gelehrtenkreisen der Brandenburgia" beige­treten sind. In der Schule der Zukunft wird die Heimatkunde eine ganz andere Rolle spielen als in der Schule der Vergangenheit. Es ist jetzt schon sicher, daß die Heimatkunde im Lehrplan nicht nur als Fach sondern vor allem als Grundsatz einen bedeutenden Platz zugewiesen erhält. Da muß der Unterricht natürlich völlig umgestaltet werden. Was früher, etwa vor dem Kriege, den Kindern über die Heimat mit­geteilt wurde, war armselig und bedurfte notwendig der Ergänzung. Erfreulicherweise marschiert Vorgeschichte in der Schule. Berlin in dem Streben nach Umgestaltung des heimatkundlichen Unter­richts mit an der Spitze²). Hier ist zum erstenmale auch die Pflege

1) Monatsblatt der Brandenburgia XXIII 1914 S. 187.

2) Vgl. dazu A. Kiekebusch: Die heimische Altertumskunde in der Schule. Ein Beitrag zur Um- und Ausgestaltung des heimatkundl. Unterrichts. Berlin 1915. Karl Siegismund.