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soviel sie zu ihrer Notdurft gebrauchen, wie es auf andern Heiden Recht ist und auch Standholz, soviel sie zu ihren Brücken nötig haben. Auch mag ein jeder Bürger in der Heide der Stadt ein Fuder Gras holen am Sonntag, wenn er will, und daran soll sie niemand irren oder hindern ewiglich.
Wurde nun von diesen Rechten der Bürger in der Heide ein zu ausgiebiger Gebrauch gemacht oder ist es Zufall, daß eine der nächsten Tankow betreffenden Urkunden von den erwähnten Heidereitern handelt. Zu Soldin, am 29. Februar 1352 verlieh Markgraf Ludwig der Römer, der sich ja bemühte, in die unter seinem Bruder vernachlässigten Verhältnisse wieder Ordnung zu bringen, dem Heinz Opifer oder Spiser, dessen Vetter Kunz und ihren Erben das Heidereiteramt in der Tankowschen Heide, um dieselbe als getreue Hüter vor Schaden zu bewahren.
Ludwig der Aeltere hatte, ehe er von der Herrschaft der Mark zurücktrat, noch mancherlei Verbindlichkeiten zu erledigen. Dazu gehörte offenbar auch, daß er am 14. Dezember 1351 für sich und im Namen seiner Brüder, seinem Waffengefährten und vertrauten Rate Betheke von der Østh Schloß und Stadt Tankow mit der Orbede, dem Zinse und allem Zubehör, wie sie Henning von Wenden bis dahin zu Lehn gehabt hatte, zum ewigen und friedlichen Besitz" verlieh.
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Wir erfahren aus dieser Urkunde zugleich, daß es in der Stadt Tankow ein Schloß" oder„ Haus" gab, also ein landesherrliches Gebäude, das man sich, entsprechend den Verhältnissen des Ortes jedenfalls sehr bescheiden denken muß. Es diente wohl den Markgrafen als Jagdschloß bei ihren Besuchen in der Tankower Heide.
Die Versuche des neuen Herrn, Ludwigs des Römers, die Finanzen des Landes zu ordnen, mußten ihn bald darauf bringen, die Läpperschulden seines Bruders nach Möglichkeit aus der Welt zu schaffen und die Verbindlichkeiten tunlichst in wenige Hände zu vereinigen. Dabei waren freilich wieder neue Arrangements unvermeidlich. Auch Tankow wurde davon betroffen. Am 2. April 1352 verlieh Ludwig der Römer dem Frankfurter Bürger Bruno Goldschmied, genannt der Lange, mit dem sein Bruder bereits in vielfachen geschäftlichen Verbindungen gestanden hatte, wegen seiner getreuen Dienste" Stadt und„ Haus" Tankow mit der ,, Merica Mossin" oder Landsberger Heide und allen anderen zu dem Hause" und der Stadt gehörigen Heiden, damit er sie mit allen Nutzungen hegen und pflegen solle, wie es auch andere Hegemeister dieser Heiden getan haben, aufs beste, wie er kann. Alle Beamten sollten ihm dazu behilflich sein. Der reiche Frankfurter Kaufherr wurde selbstredend nicht markgräflicher Hegemeister im gewöhnlichen Sinne, sondern erhielt die Nutznießung der Heiden und die Einkünfte von Tankow als Zinsen für geliehene Geldsummen oder weil er die Forderungen des Ritters von der Ost übernahm.
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Trotz dieser Verleihung oder Verpfändung finden wir aber Ludwig den Römer in der Folgezeit noch oft wieder in Tankow, also auf dem dortigen Hause". Am 3. Juni desselben Jahres( 1352) unterfertigte er da einen ,, Brief", durch den er dem Zisterzienser- Kloster Marienwerder und seinen Untertanen für zehn Jahre sämtliche Abgaben erließ. Der Abt Heinrich war hierzu jedenfalls bei ihm erschienen. Am 12. Juni hören wir, daß der feste Mann Henning Brederlow vor verschiedenen Räten und sonstigen ,, Dienern" Ludwigs Rechnung gelegt hat; in seinen Rechenbriefen findet sich u. a. ein Posten: An Kost und anderen Sachen auf dem Hause zu Tankow von ihm verzehrt 300 Pfund weniger 3 Schilling. Er hatte also wohl vor den letzten der Verleihungen von Stadt und Haus dort als markgräflicher Beamter gewohnt.