Heft 
(1920) 29
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für sich und ihre männlichen Leibeslehnserben verliehen erhalten, heißt es in der Urkunde, die uns übrigens wieder einen hübschen Einblick in die ver­wickelten damaligen Rechtsverhältnisse gibt: ,, Das Städtchen Tanckow" mit dem See und der Holzung und Grasung auf der Heide sowie mit den Zu­gehörigkeiten an Holzungen, Gewässern und Wiesen; ferner die Hälfte des Dorfes Manẞfeld weniger 6 Hufen; im Dorfe Wogarten auf dem Hofe und den Hufen, die Valentin Meyer besitzt, 1 Schock Groschen und einen Kosten ( Kossäten) Hanstein, der 9 Gr. und 4 Hühner entrichtet, sowie 6 Gr. auf dem Kruge; im Dorfe Lichteno 13 wüste Hufen und von den Zeidlern der Heiden jährlich den 8ten Teil von der Tonne Honig.

Tankow wird hier also noch fortgesetzt als Städtchen" bezeichnet. Aus der Reihe der neumärkischen Städte aber war es tatsächlich längst aus­geschieden. Während früher die Landesherren dort einritten und auf dem dortigen ,, Hause" Regierungshandlungen vornahmen, wird es um diese Zeit 1499 beispielsweise nicht einmal mehr auf den Huldigungsreisen berührt. besuchte Kurfürst Joachim wohl die Städte Königsberg, Soldin, Berlinchen, Friedeberg, Arnswalde usw., um die Huldigung persönlich entgegenzunehmen; die Huldigung zu Tankow" aber fand in Friedeberg statt, wo sich die Lehnsleute Gebrüder Thomas und Hans von Papstein dazu einzufinden hatten. Und als 1529,, zu Szoldin" sämtliche Nygemarkschen" Städte vor Kurt Borgstorf, Landvogt ,, des Orts der Nygemark" einen Vertrag wegen der zu stellenden Kriegsknechte schließen, werden aufgezählt( die Zahlen sind wieder interessant für das Verhältnis der Größe bzw. Leistungsfähigkeit der Städte): Szoldin mit 23( 50?) Knechten, Königsberg mit 38, Arnswalde 38, Lands­berg 28, Cüstryn 9( 6?), Berwalde 13, Schonfliete 16, Friedeberg 27, Woldenberg 8, Dramburg 10, Schievelbein 15, Mohrin 5, Berlynchen 5, Lippehne 5, Tankow fehlt.

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Ueber die weiteren Schicksale des aus der Reihe der historischen Stätten ausgeschiedenen Ortes ist nur noch folgendes mitzuteilen: Er blieb bis 1788 im Besitz derer von Papstein. In diesem Jahre verkaufte Generalmajor Jak. Christoph v. Papstein Tankow an den Major Adam Friedr. v. Bock, seinen Schwager. Da dieser schon 1792 starb, war Tankow dann im Be­sitz seiner Witwe, der Majorin v. Bock geb. Luise Friederike v. Papstein. Von der letzten Erbtochter der Familie Papstein erwarb 1803 Rittmeister Fr. Ew. v. Massow das Gut Tankow, 1820 kam es dann an die Familie v. Brand und wechselte seitdem mehrfach den Besitzer.

Der Name Tankowsche Heide, auch Heide Massin, umfaßte ursprünglich als Jagdrevier der Markgrafen das ganze Waldgebiet zwischen Landsberg, Friedeberg und Berlinchen. Später beschränkte sich die Bezeichnung Tankowsche Heide auf den östlichen Teil derselben, der südwestliche dagegen hieß Landsberger Heide. So wird urkundlich z. B. 1521 von einer Heide zu Landsberg" gesprochen, in der Kurfürst Joachim denen v. d. Marwitz gestattet, Rehe und Schweine, jedoch nicht das Hochwild zu jagen. Im übrigen besaßen darin, wie insbesondere auch in der Tankowschen Heide im engeren Sinne, die Bewohner aller umliegenden Dörfer, gegen Entrichtung von Heidehafer, Holz- und Weideberechtigung, wie sie ja auch vordem die Bürger der Stadt Tankow gehabt hatten. Diese eigentliche Tankower Heide gehörte früher zum Kreise Friedeberg, wurde dann aber zum Landsberger Kreise gelegt und führt heute die Bezeichnung Alt- Wildenower Forst, so daß also auch ihr geschichtlicher Name verschwunden ist.

Das heutige Dorf Tankow macht in keiner Weise einen städtischen Eindruck; es ist kaum mehr als ein Gutshof mit Zubehör. Selbst der Krug gehört zum Rittergut. Doch ist es wegen seiner schönen Lage zwischen