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zwei reizenden Seen besuchenswert. Auch wissen die Leute dort noch mancherlei von der alten Zeit zu berichten: Damals sei Tankow ein bedeutender Ort gewesen, aber Feuersbrunst habe ihn vernichtet. Unter einer mächtigen Eiche im Gutspark hätten die Herrschaften schon zur Zeit Kaiser Karls" gefrühstückt, erzählte uns ein alter Mann. Als Reste der Befestigung des Ortes zur Abwehr der umwohnenden Raubritter" zeigte er uns dann zwei wie die Wälle eines Schießstandes gleichlaufende Schanzen, die nach dem einen See hinführten. Er erinnere sich noch, als er ein Junge gewesen, vor etwa 80 Jahren, hätte diese Doppelschanze noch viel weiter um das Dorf gereicht, man habe sie aber dann zum Straßenbau abgekarrt. In älterer Zeit sei sie von einem See zum andern gelaufen und habe den Ort sonach von der Landseite völlig umschlossen. Es sei auch eine Schleusenvorrichtung vorhanden gewesen, um den Graben zwischen den beiden Wallen mit Wasser zu füllen. Die weiter außerhalb über das beide Seen verbindende Fließ führende Brücke war damals eine Zugbrücke, und die Wiesen daneben, in denen ein viereckiger Hügel, der ,, Wallberg" liegt, ein Sumpf; auf dem Wallberg habe man u. a. ein Steinbeil, eine steinerne Kanonenkugel und einen steinernen Schlüssel" gefunden; der Hügel sei sonach auch ein Teil der Befestigung gewesen.
Wer sich also einmal nach dem weit abseits von belebten Straßen gelegenen Orte verirrt, findet wenigstens einiges, woran sich die Erinnerung an die ehemalige Stadt Tankow knüpft.
Kleine Mitteilungen.
Eine Friedensfeier zu Berlin im Jahre 1763. Der siebenjährige Krieg war zu Ende. Der heissersehnte Frieden am 15. Februar 1763 zu Hubertusburg abgeschlossen. Am Tage nach dem Friedensschluss war die Königin aus Magdeburg nach Berlin zurückgekehrt, und am 25. Februar nahm das Forcadesche Infanterie- Regiment seine alte Friedensgarnison in Berlin wieder ein. Am 5. März erfolgte sodann in Berlin die öffentliche Friedensproklamation. Um 10 Uhr vormittags holten Husaren und Gensdarmes den vom Könige zum Herold ernannten Hofrat und Hofstaatssekretär Schirrmeister aus der Wohnung des Stadtverordneten, Hauptmann von Zegelin, ab. Die Tracht des Friedensverkündigers bestand in einem römischen Kostüm von dunkelblauem Samt. Reich mit Goldstickerei, Tressen und Franzen. Auf dem silbernen Kürass das königliche Wappen: Schwarzer Adler in Gold und Silber gestickt nebst Scepter und Reichsapfel. Der Mantel, eine Tigerhaut, wurde durch ponceaurote Bänder zusammengehalten. Das römische Casquet, mit weissen Strauss- und schwarzen Reiherfedern, trug einen goldenen Bären; ein Lorbeerkranz, durchflochten mit Juwelen, umwand es. Der Herold hielt in seiner Rechten einen mit blauem Samt überzogenen Stab, dessen Spitze mit goldenem Adler geschmückt war. Auch an dem Pferde war viel Pracht verschwendet.
Der Ausruf des Friedens erfolgte zuerst auf dem Schlossplatz, den Gemächern der Königin gegenüber. Im Lustgarten unter den Zimmern der Prinzessin Amalie, sodann vor den Palais der übrigen Mitglieder des Königlichen Hauses. Auf den Plätzen und Strassen Berlins. Zuletzt auf dem Neuen Markt. Im Ganzen siebzehn Mal. Die Proklamation wurde laut und vernehmlich verlesen und schloss stets unter Pauken- und Trompetenschall mit einem dreimaligen Hoch auf den König.