Heft 
(1920) 29
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AraDUO

wenn überhaupt, nur eine leichte Drehung an der Spitze bemerkbar. Von den in ihrer Achse nicht gedrehten Hornzapfen waren einzelne. durch die gute Erhaltung des Hinterhaupthöckers sofort als weibliche Individien erkennbar[ Abbildung Nr. 3]; andere Stücke, durch die gute Erhaltung des flachen Schädeldaches als des Zeichens der Zugehörigkeit zu männlichen Stücken, als Stiere zu bestimmen[ Abbildung Nr. 1]. Daraus, daß die übrigbleibenden Stücke eine gedrehte Achse, also an­scheinend männliche Charaktere, aber ein, wenn auch nur wenig er­höhtes Hinterhaupt, also einen weiblichen Charakterzug zeigten, sie aber außerordentlich groß und stark waren, wie es uns bei der Horn­zapfenbildung der Ochsen ganz allgemein bekannt ist, mußte mit Not­wendigkeit gefolgert werden, daß es sich bei diesen Stücken wirklich um Ochsen handelt. Andererseits bestätigt sich auch der Satz, daß kastrierte männliche Stücke Charakterzeichen beider Geschlechter tragen [ Abbildung Nr. 2]. Vergleichsmaterial aus den Sammlungen des Instituts der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin bestätigte diese Beobach­tungen.

Demnach dürfte festgestellt sein, daß auch in den Horn­zapfen der podolisch- bessarabischen Rinderrasse Geschlechts­merkmale zum Ausdruck kommen, und zwar derart, daß weibliche Stücke in der Achse nicht oder nur in der Spitze etwas, männliche oder kastrierte männliche Stücke in der Achse vom Grunde des Hornzapfens aus stark gedreht sind, in der Richtung von vorn nach hinten.

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Abbildung dreier Hornzapfen podolisch- bessarabischer Rasse. Nr. 1 männlicher Hornzapfen, Nr. 2 Hornzapfen eines Ochsen, Nr. 3 weiblicher Hornzapfen,

Es muß noch ein kurzes Wort über die Fundumstände gesprochen werden. In der Neuen Friedrichstraße haben, wie aus den Akten des Märkischen Museums hervorgeht, viele Gerbereien ihren Betrieb gehabt; wie uns Herr Tierarzt Rickmann mitteilt, hat Polen zur Zeit des 7 jähr. Krieges einen starken Export nach Deutschland mit Häuten und Honig betrieben. Die Schlächter nun schlagen beim Abhäuten die Hörner mit ihrer knöchernen Unterlage vom Schädel ab; diese Abhäutungs­methode ist gegen Ende des Mittelalters aufgekommen und wird noch