26
K. Kelling
zuführen und so den Lauf der Grenze zu bestimmen versucht hat. Freilich war der Erfolg, gerade für den oben bezeichneten Grenzabschnitt, ein ziemlich kärglicher, denn außer Konotope, für das er auf die noch dazu auf dem rechten Oderufer liegende Kontopsche Mühle hinweist, und Carasne, das er für das Dorf Karras bei Friedland hält, hat er nur noch die unschwer zu deutenden Letinti( Löcknitz), Stobrana( Stobberow) und Odrizam( Oderitz) bestimmt; dagegen weiß er weder den See Tribule ( ,, der gar nicht mehr vorhanden und ein Teil des neuen Oderbettes geworden zu sein scheint"), noch die Ortschaft Lipa, weder Powodtitus noch Osora( ,, die alle drei nicht mehr bekannt"), weder Prelauki( ,, das aber gegen das Ende der heutigen Hangelsbergischen Forst gelegen zu haben scheint"), noch Coprinnti( ,, welchen Namen, oder einen ähnlichen, kein Ort jetzt in der Gegend der Löcknitz und der Stobberow führt") unterzubringen.
Zwei Jahre nach Wohlbrück, von dessen Werk über Lebus der erste Band 1829 erschienen war, sucht Ledebur¹) an der Hand der Urkunde von 1336 die ,, Grenzen zwischen dem Lande Lebus und der Lausitz" festzulegen, wobei er sich in der Hauptsache von der Voraussetzung leiten läßt, daß die Grenzen des Landes Lebus mit denen des Lebuser Sprengels gleichlaufend gewesen sind. Nach ihm ist der See Tribule unbedenklich bei dem heutigen Treppeln unfern Kobbel zu suchen. Für Lipa, wohin der Weg von Guben führt, ist er geneigt, Lindow ( Lindau), die verdeutschte Form des wendischen Lipa( die Linde), zu setzen. Powodtitus ist auch ihm unbekannt. Dagegen nimmt er, im Gegensatz zu Wohlbrück, für Carasne nicht das Dorf Karras bei Friedland an, weil dieser Ort bereits innerhalb des Meißenschen Sprengels gelegen habe, sondern das Vorwerk Karausch bei Ragow. Osora ist ihm die Oelse, welche ,, aus dem Oelse- See kommend, bei Beeskow in die Spree sich ergießt". Prelauki erwähnt er nicht, sei es, weil er diese Oertlichkeit zusammen mit den in der Urkunde folgenden, als Grenzpunkte des Landes Lebus gegen den Barnim, schon außerhalb des Rahmens seiner Untersuchung stehend ansieht, sei es, weil auch er hierfür keine Erklärung zu finden vermag.
Dieser Grenzerklärungsversuch Ledeburs veranlaßte Worbs2), den Spuren seiner beiden Vorgänger kritisch nachzugehen. Die Kontopsche Mühle, den oberen See bei Treppeln und Lindow( oder Lindo, wie er schreibt) oberhalb von Frankfurt läßt er gelten und zwar letzteres aus denselben sprachlichen Gründen wie Ledebur, dagegen stellt er sich bezüglich der Erklärung von Carasne entschieden auf die Seite Wohlbrücks und begegnet dem Einwande Ledeburs, daß das Dorf Karras bei Friedland bereits im Sprengel des Bistums Meißen gelegen habe, mit dem Hinweis, daß ja auch das jetzt zwar verschwundene, aber der Kontopschen Mühle gegenüber, am linken Oderuier, anzunehmende Kontop und ebenso Treppeln diesem Bistum angehört haben, und daß die Zugehörigkeit zum Meißenschen Sprengel kein Grund sei, daß die Ortschaften nicht zum Lande Lebus gehört haben könnten. Außerdem könne aus Carasne wohl leicht Caras, aber nicht so leicht Karausch werden. Daß Osora die bei Beeskow in die Spree fließende Oelse sei, bezweifelt er ebenfalls, denn, so fragt er: Wie hat denn aus Oelse( wendisch Wolscha) Osora werden können?" Auch Worbs läßt Prelauki außer Betracht.
53
1) Allgem. Archiv f. d. Geschichtskunde des Preuß. Staates, VI, 86-89. 2, a. a. O. VII, 53-66.