Heft 
(1920) 29
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K. Kelling

netes Bette nur noch vorhanden ist."- Man sieht, Gallus, dessen fernere Erklärungsversuche der in der Urkunde noch weiterhin aufgeführten Namen für unsere Zwecke ohne Belang sind, ist um eine Erklärung, deren er oft mehrere für einen Namen zur Verfügung stellt, selten verlegen, und mit selbstgefälliger Zufriedenheit faßt er das Endergebnis seiner hauptsächlich auf etymologischen Vermutungen begründeten Forschungen in die Worte zusammen: ,, Auf diese Weise stimmt alles wohl zu­

sammen.

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Nach dem Erklärungsversuch von Gallus ruht die Frage nach dem Erst Verlaufe der Grenzen des Landes Lebus beinahe 20 Jahre. 1856 nimmt sie Berghaus¹) von neuem auf und sucht sie ihrer Lösung näher zu bringen und zwar, wie wir vorweg bemerken wollen, in weit sorgfältigerer und eingehender, auf guter Ortskenntnis beruhender Weise als sein unmittelbarer Vorgänger, dessen Arbeit er übrigens gar nicht gekannt zu haben scheint, denn während er die Versuche von Wohl­brück, Ledebur und Worbs in seinem Werk ausführlich heranzieht, findet sich über Gallus bei ihm kein Wort, Das Kontop- Problem übergeht Berghaus mit Stillschweigen. Der obere See Tribule ist der westlich vom Dorfe Treppeln belegene See, der auch den Namen Werchen- See, die slawische Uebersetzung von ,, oberer See", führt, im Gegensatz zu deni weiter abwärts im Schlaubetal gelegenen unteren See, der noch heute der große Treppel- See genannt wird. Lipa hält auch er für Lindow oder Lindau östlich von Friedland, nicht für Ober- und Unter- Lindow am Friedrich- Wilhelm- Kanal. Die Erklärung von Powodtitus bereitet auch ihm Schwierigkeiten, denen er nur mit Zuhilfenahme sprachlich- etymo­logischer Mittel beizukommen vermag. Er deutet den Namen als ,, Gegend an der. Oelse", wobei er es dahingestellt sein läßt, ob damit das heutige Dorf Oelsen, der Bach Oelse oder einer der Oelse- Seen gemeint sei. Carasne ist das Dorf Karras bei Friedland. Osora ist der See, aber nicht der ,, Oelsener See, sondern der wegen seiner Größe vorzugsweise der See genannte Swielug, Swieloch". Prelauki ist auch ihm ein nicht mehr bekannter Ort, den er mit Wohlbrück gegen das Ende der heutigen Hangelsberger Forst verlegt, er will aber darunter nicht den Namen eines Wohnplatzes verstanden wissen, sondern den einer Oertlichkeit in Spreetal. Von den übrigen geographischen Namen, bei deren Deutung er sich der Führung Wohlbrücks überläßt, sei hier nur noch Coprinnti erwähnt, das Wohlbrück nicht zu bestimmen vermochte, das der orts­kundigere Berghaus aber in der Köppernitz wiederfindet, einem aus dem Roten Luche kommenden Quellbache der Löcknitz, der dicht oberhalb von Liebenberg in diese mündet.

Wieder vergehen beinahe 40 Jahre, bis die Grenzfrage von neuem in Fluß kommt. Inzwischen begann Riedel mit der Veröffentlichung seines großen Urkundenwerkes. Dort finden wir auch die Urkunde von 1336 wieder²). Wenn Riedel behauptet, diese sei bei Gercken fehlerhaft ab­gedruckt, so müssen wir diesen Vorwurf zurückweisen, wenigstens so­weit er sich auf die hier in Betracht kommende Stelle der Urkunde über die Grenzen des Landes Lebus gegen die Lausitz und den Barnim und auf die darin vorkommenden Namen erstreckt, denn von den Grenz­punkten links der Oder stimmen nur zwei in ihrer Schreibweise bei Gercken und bei Riedel nicht überein: Gercken schreibt Letinti und Co­

1) Landbuch der Mark Brandenburg. III, 154-166. 2) Cod. dipl. Brandenb. B. II, 112.