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K. Kelling
der obere See Tribule der bei Treppeln gelegene kleine See ist, aus dem die Schlaube entspringt und der, wie der weiter, unterhalb gelegene größere Treppel- See, ebenfalls den Namen Treppel- oder Tribule- See geführt habe¹), scheint auch ihm wahrscheinlich. Ob Lypa das heutige Lindow bei Friedland sei, scheint Breitenbach fraglich zu sein. Wenn er behauptet, Ledebur und Berghaus hätten dies angenommen, so irrt er insofern, als Ledebur unzweifelhaft unter Lypa nicht das bei Friedland gelegene Lindow, sondern das am Friedrich- Wilhelm- Kanal, also in der Nähe von Frankfurt, gelegene Lindow verstanden hat. In seiner Abhandlung verlegt nämlich Ledebur2) den Ort Lipa, ohne ihn zwar ausdrücklich als das bei Frankfurt gelegene Lindow zu bezeichnen, innerhalb des Lebuser Sprengels, und da nun Guben mehrere Meilen südwärts des Punktes liegt, wo die Grenze nach der Urkunde die Straße Gubyn Lypa schnitt, so, meint er ,,, brauchen wir auch das nordwärts gelegene Lipa nicht näher dieser Grenzlinie zu suchen". Und als nun Worbs³), der mit manchen Erklärungen Ledeburs scharf ins Gericht geht, unter Lypa ausdrücklich das ,, Lindo oberhalb Frankfurt" verstanden wissen will, da ist Ledebur in seiner Nachschrift') zu Worbs' Ausführungen erfreut, wenigstens ,, zweien seiner versuchten Nachweisungen beipflichten zu sehen, nämlich einmal, daß der See Tribule bei Treppeln und dann. daß in dem Lipa das heutige Lindow gesucht werden müsse". - Powodeicers weiß Breitenbach nicht zu deuten und ebenso nicht Splawe, dagegen hält er Corasno für Karras. Von Osdra glaubt er, daß es eines von den Fließen sei, die zum Schwielung- See fließen. Prelauki ist ihm ein unbekannter Ort an der Spree in der Nähe von Hangelsberg oder Wulkow, wo die Grenze die Spree verläßt. Lecnici, Köpnuci und Stobrawa sind auch ihm Löcknitz, Köppernitz und Stobberow; dagegen hält er die Oderitz, im Gegensatz zu Berghaus, nicht für einen linken Nebenfluß der Oder, sondern für einen Arm derselben, der oberhalb Küstrin links abzweigte und wahrscheinlich bei Wriezen sich mit dem Oderarm vereinigte, der jetzt ebenfalls den Namen alte Oder führt und in den die Stobberow in der Nähe des Kietzer See mündete.
Wilhelm Freier, der Verfasser einer ,, Urkundlichen Geschichte des Landes Sternberg", die in ihrer Lieferungsausgabe Breitenbach nach Vollendung seines Buches gerade noch rechtzeitig bekannt wurde, um sie in einem Nachtrage nicht sonderlich günstig zu beurteilen, hat die Grenzfrage des Landes Lebus ebenfalls behandelt). Er beschränkt sich aber lediglich darauf, die Ergebnisse der Untersuchungen seiner Vorgänger Wohlbrück, Ledebur, Worbs und Berghaus anzuführen und zwar, wie unschwer zu erkennen ist, nach den Ausführungen des letzteren, ohne neue Gesichtspunkte von Belang für die Lösung der Frage beizubringen, es sei denn etwa die Vermutung, daß der Ort Kräsem( Kreesem), zu dem jetzt die Kontop- Mühle gehört ,,, vielleicht auf der Feldmark des untergegangenen Dorfes Konotope erbaut ist".-
1) Berghaus a. a. O. III, 162 sagt ausdrücklich:„ Die slawischen Bewohner nannten den See" Werchen Osero Tribule", d. h.„ Oberer Tribule See", im Gegensatz zum ,, Nischne Osero Tribule", d. i. dem ,, Unteren See Tribule", welcher eine Meile abwärts im Slubetal liegt und noch heut zu Tage der große Treppel See genannt wird." 2) a. a. O. VI, 86.
3) a. a. O.
4) a. a. O.
VII, 53 ff.
VII, 66 ff.
5) Freier, Das Land Sternberg. Zielenzig 1892. S. 152-156.