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K. Kelling
Fürstenwalde gehört haben, das jedenfalls auch schon vor Erhebung zur deutschen Stadt als slawische Ortschaft an diesem wichtigen durch mehrere Spreeinseln bequem gewesenen Uebergang aus der Lausitz in die Länder Lebus und Barnim bestanden hat. Ganz gewiß wird sich Fürstenwalde nach der Gründung von Frankfurt mit der Zunahme des Handelsverkehrs dann auch gehoben haben, aber Veranlassung zu ihrer Gründung braucht dieser Handelsverkehr allein nicht gewesen zu sein. wenigstens nicht zur Zeit nach 1250.
Die hier in Betracht kommende Stelle der Fürstenwalder Grenzbestätigungsurkunde von 1285 nun lautet: ,, De Tamm Civitatis ex altera parte aque Spree( d. h. auf dem linken Ufer) viam antiquam in Ruwen usque ad montem Ruwen, die hängende Berge in vulgo Ruwen usque ad magnum lapidem, qui iacet circa viam in Sprewenhaine. De magno lapide viam antiquam in Spreenhaine usque ad Vulenbrücke paludem, qui in vulgo ein Bruch dicitur, in parte inferiori in Vulenbrücke usque ad Criblake, de Criblake descendendo usque in Aquam Spree." Eine Bestätigung dieser Urkunde durch den Kurfürsten Friedrich, vom 27. Januar 1448, in deutscher Sprache¹) lautet für die vorstehend wiedergegebene Stelle: ,, unde von deme Thamme der Stat von der anderen seythen des wassers Sprewe den alden weck czu czyhende Kegen Rauwen. Bysz an den Berck Rauwen, von deme Rauwenischen wege bysz czu den hangenden Bergen, von den hangenden bergen bysz czu dem großen steyne, der da lyt bey deme wege czu Sprewenhagen, von deme steine den alden weck gegen Sprewenhagen bysz czu der fulen Brucken mit dem ganczen bruche, das dar is genant eyn leuch, von dem nyderen teyle der fulen brugken bycz czu der tribelaken, von der tribbelaken nederwarts bysz in die Sprewe".
Dieser alte Grenzenzug läßt sich noch heute leicht verfolgen. Haben wir die Stadt Fürstenwalde durch das Mühlentor verlassen und die Spreebrücke überschritten, so sehen wir drei Steinstraßen stahlenförmig auseinandergehen). Die halb links führende( der Tamm) geht über Ketschendorf nach Beeskow, während die nächste halb rechts nach dem Dorfe Rauen leitet( viam antiquam in Ruwen). Wir verfolgen sie bis zu dem Punkte, wo sie zum Rauenschen Plateau emporsteigt( ad montem Ruwen) und wenden uns dann rechts am Abhang( hängende Berge) der Hochebene entlang bis zu dem großen Stein( ad magnum lapidem) in der Nähe der Rauenschen Ziegelei oder vielmehr bis zu der Stelle, wo er einst gelegen hat³). Hier führt die neue Steinstraße nach Markgrafpieske vorüber, aber während diese sich halblinks wendet, verfolgen wir die breite Landstraße geradeaus( viam antiquam in Spreenhaine), die durch
1) Riedel, Cod. dipl. Brandenb. A. XX, 193.
2) Vor Erbauung der jetzigen großartigen Brücke führten mehrere Brücken wenige Schritte oberhalb über die dort einige Inseln umfließenden Spreearme.
3) Dieser große Stein, aus dem die Säule unter der Viktoria auf dem BelleAlliance- Platz zu Berlin gearbeitet ist, der also jetzt nicht mehr an der bezeichneten Grenzstelle vorhanden ist, ist nicht etwa einer der bekannten Markgrafensteine auf den Rauenschen Bergen, die ja noch beide, der eine freilich als Fragment, vorhanden sind, ebenso wenig wie der mons Ruwen der Urkunde diese Berge, eben die Lagerstätte der Markgrafensteine, bezeichnet. Unter mons Ruwen ist vielmehr das ganze Rauensche Plateau zu verstehen, die eigentlichen Rauenschen Berge, d. h die bewaldeten Erhebungen südöstlich des Dorfes Rauen, die sich auf ihm gleichsam wie auf einem breiten Sockel aufbauen, natürlich mit einbegriffen. Die hängenden Berge bilden den nordöstlichen Abhang dieses Plateaus, das Zache( Die Landschaften der Provinz Brandenburg, S. 185) den„ Rauenschen Horst" nennt.