Heft 
(1920) 29
Seite
36
Einzelbild herunterladen

36

K. Kelling

schaften selbst. Und da nun in unserem märkischen Flachlande die hohen Berge, die als weithin sichtbare Grenzmarken hätten dienen können, nicht allzu zahlreich vorhanden sind, wohl aber Wasser in Hülle und Fülle in Gestalt von Flüssen, Bächen und Rinnsalen, von Seen und Teichen, von Sümpfen, Brüchern und Lüchern auftritt, so ist es nur natürlich, daß man sich bei Grenzbezeichnungen mit Vorliebe dieser wohl­feilen und äußerst geeigneten Marken bediente.

Aber auch der Name Prelauki") selbst deutet an, daß er eine Oertlichkeit von sumpfartiger Beschaffenheit bezeichnet. Die deutsche Uebertragung dieses slawischen Wortes dürfte ,, am Luch" ,,,, beim Sumpf" sein.) Das ,,- lauki" ist wohl sicher unser heutiges Luch, Lake, Lanke und ist wahrscheinlich auch in der ersten Silbe des Namens ,, Löcknitz" enthalten. Aus der Fürstenwalder Grenzbestätigungsurkunde von 1285 sehen wir, daß der palus Vulenbrücke gewöhnlich kurzweg das Bruch genannt wurde. Prelauki wird also entweder eine Oertlichkeit bei diesem Bruche oder aber das Luch selbst gewesen sein.

Außerdm klingt der alte Name des ehemaligen Abflußgrabens des Großen Stadtluchs, Criblake, stark an Prelauki an, so daß man Wir wissen, daß die auch annehmen könnte, beide seien identisch. Namen der Urkunde von 1249 von dem des Slawischen unkundigen Ab­fasser oder Abschreiber arg verstümmelt, jedenfalls nicht immer richtig geschrieben worden sind. Freilich hat sich Criblake im Laufe der Zeit von Prelauki in bezug auf Schreibung und auch Deutung immer mehr entfernt. In der Fürstenwalder Grenzurkunde von 1448 finden wir es schon tribelake geschrieben, was wohl unser heutiges ,, Trübe Lake" sein soll, jedenfalls aber ein Schreibfehler und wohl ein absichtlicher des Uebersetzers der Urkunde von 1285 ist, der mit ,, Cryblake" nichts anzu­fangen wußte und deshalb volksetymologisch tribelake dafür setzte, das ihm verständlich war. Golz bringt in seiner Fürstenwalder Chronik³) noch weitere Grenzbestätigungsurkunden aus dem rathäuslichen Archive der Stadt aus späterer Zeit zum Abdruck, die entweder Abschriften oder Uebersetzungen der ersten Urkunde von 1285 sind, aus denen wir die all­mähliche Wandlung des Wortes Cryblake verfolgen können. So finden wir es 1377: Criblacke, Criblake, 1448: Cribbelake( in derselben Urkunde. in der es bei Riedel tribelake heißt), 1516: Cribblacke, Cribbelacke, 1625: Kriebbelacke, jetzt Kribbelake geschrieben.

Dem Einwande, den man uns entgegenhalten könnte, daß Prelauki nach der Urkunde von 1249 an der Spree gelegen haben müsse, daß also unsere Annahme, wonach es am Großen Stadtluche zu suchen sei, nicht zutreffen könne, da dieses von der Spree immerhin etwas entfernt sei, begegnen wir mit folgendem: Nach Beckmann) hat die Spree bei Berken­brück früher einen Arm ,, linker handwerts" abgezweigt, die sogenannte

1) Nach freundlicher Mitteilung der Archiverwaltungen in Bernburg und Magde­burg, wo sich die Urkunden von 1249 und 1336 befinden, ist der Abdruck prelauki bei Riedel und Gercken richtig.

2) A. Buttmann, Die deutschen Ortsnamen. S. 106 erklärt den mit Prelauki wohl gleich bedeutenden Namen des bei Peitz belegenen Dorfes Preilag( Preilack, Prylagk) wenigstens so. Preilag liege hart an ungeheuren Wiesengründen. Vgl. auch hierzu Neues Lausitz Magazin Bd 46. S. 200.

Berghaus a. a. O. III, 163 erklärt Prelauki mit Vor der Lache, Pfütze". Erwähnt sei hier noch der südlich von Brest- Litowsk am rechten Ufer des Bug, am Rande der großen Rokitno- Sümpfe belegene Ort Priluki( Przyluki).

3) Golz, Diplomatische Chronik von Fürstenwalde. S. 65, 104, 144, 271, 298.

4) Histor. Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. I, 999.