Grenzen des ehemaligen Landes Lebus
37
Wendische oder Alte Spree, die ,, nach einem gemachten weitläufigen umschweif durch die daherum liegende gegend und gefilde, nach durchstreichung verschiedener Seen.... unweit Köpenik sich wieder mit dem rechten Strohm vereiniget." Berghaus, ¹) der die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht nicht bezweifelt, will Spuren dieses alten Flußlaufes noch unterhalb Fürstenwalde in der Richtung ,, über Braunsdorf durch den Fürstenwalder Stadtforst nach Storkower Pforte" erkennen. Dies wäre der heutige Spree- Oderkanal und die Kribbelake, die gegenüber von Storkowerfurt, wie die Häusergruppe am rechten Spreeufer heute genannt wird, in die Spree mündet; dies wäre demnach das von uns oben beschriebene ehemalige Sumpfgebiet, wie es vor Erbauung des Kanals vorhanden war und das auch nach unserer Kenntnis seines früheren Zustandes sehr wohl ein alter, versumpfter Flußlauf gewesen sein kann; dies wäre, kurz, die Spree, an der Prelauki gelegen hat.
Aber wenn wir diese durch die Beschaffenheit des Geländes außerordentlich unterstützte Annahme zur Erhärtung unserer Behauptung von der Lage Prelaukis auch ganz außer Betracht lassen wollten, sagt denn die Urkunde von 1249 mit ihrem ,, de Osdra Sprewa fluvius per medium usque in prelauki" durchaus, daß Prelauki unmittelbar an der Spree gelegen habe? Die Urkunde ist, im Gegensatz zu der Fürstenwalder Grenzbestätigungsurkunde der Ottonen von 1285, nach der man die Grenzen des städtischen Gebiets fast Schritt vor Schritt noch heute unschwer verfolgen kann, in ihrer Grenzbezeichnung sehr allgemein und unbestimmt gehalten. Sie gibt die Grenze nur in großzügigen Umrissen an, und die von ihr namhaft gemachten Oertlichkeiten sind, mit wenigen Ausnahmen, nur allgemein gehaltene Marken, die den Lauf der Grenze ungefähr bestimmen sollen. Wir meinen deshalb, daß die oben angeführte Stelle weiter nichts besagt, als daß die Grenze von Osdra mitten in der Spree entlang und dann nach Prelauki geführt habe.
Verfolgen wir nun den Lauf der Grenze weiter und suchen wir den Punkt auf, wo sie von der Spree zur Löcknitz übersprang. Dieser Punkt liegt tatsächlich gegen das Ende der Hangelsberger Forst". Die Grenze lief also von dort, wo der Sumpfstreifen Kribbelake das Spreetal erreicht, längs der Spree etwas aufwärts bis Alt- Mönchwinkel. Zwischen diesem Ort und Hangelsberg, wo die Spree aus ihrer nordwestlichen Richtung in eine südwestliche umbiegt, liegt in inselartiger Lage, die besonders deutlich bei hohem Wasserstande hervortritt, wenn die Wiesenflächen ringsum überschwemmt sind, am rechten Spreeufer die Häusergruppe von Wulkow. Hinter Wulkow buchtet das Spreetal in großem Halbkreis ziemlich weit nach Norden aus. Während die Spree heute ziemlich nahe an Wulkow vorüberströmt, hat früher ein alter Spreearm den äußeren Rand dieser Ausbuchtung umflossen, was noch heute deutlich erkennbar ist. Im Scheitelpunkte dieser Ausbuchtung nähert sich das Spreetal dem Löcknitztal bedeutend, so daß die Entfernung zwischen beiden kaum einen Kilometer beträgt. An dieser Stelle nun, wo Spreetal und Löcknitztal sich am meisten nähern, sprang die Grenze von dem einen Flußtale zum andern über.
Hier lief früher auch die alte Grenze zwischen den Kreisen Lebus und Oberbarnim entlang, wie aus alten Karten zu ersehen ist2). Bekanntlich gehörte der ganze südliche Teil des heutigen Niederbarnimschen 1) Landbuch der Mark Brandenburg. II, 109. Wendische Spree" wird zuweilen noch die Dahme von Neue Mühle bis Cöpenick genannt.
-
2) Vgl. z. B. die Kreiskarte von Oesfeld von 1788.
77