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K. Kelling
Kreises, also das ganze Rüdersdorfer Forstrevier mit seinen Ansiedlungen, früher zum Kreise Oberbarnim, und erst bei der 1821 erfolgten Neueinteilung der Kreise wurde dieser Landstrich dem Kreise Niederbarnim zugeschlagen und die Grenzen so gezogen, wie sie noch heute verlaufen. Es ist nun wohl anzunehmen, daß die alte Kreis grenze zwischen Lebus und Barnim, wie sie Jahrhunderte hindurch bis zum Jahre 1821 hier bestand, der ehemaligen Grenze zwischen dem Lande Lebus und dem Lande Barnim vom Jahre 1249 gefolgt ist, denn ohne zwingende Gründe pflegten die alten Grenzen nicht verrückt zu werden, und solche Gründe lagen unseres Wissens bis 1821( und auch wohl nachher) hier nicht vor. Von ganz besonderer Wichtigkeit und Beweiskraft für unsere vorstehend aufgestellte Behauptung von dem Verlauf der Grenze zwischen Spree- und Löcknitztal aber ist eine uralte Grenzmarke, die sich an der bezeichneten Stelle noch heute vorfindet, und die wir mit Hilfe einer alten vom Vater ererbten ,, Karte von der Königlichen Oberförsterei Rüdersdorf, vermessen 1784/85" entdeckt haben. Auf dieser Karte findet sich an der beregten Stelle eine gestrichelte Linie mit der Bezeichnung ,, Schwedengraben". Diese Bezeichnung reizte uns, die wir das Rüdersdorfer Forstrevier schon seit früher Jugend ziemlich genau kennen, von einem Schwedengraben aber bisher noch nichts gehört hatten, zu näherer Untersuchung. Weder der Schwedengraben als solcher, noch sein Name war den Bewohnern, auch älteren, der umliegenden Ortschaften nicht mehr bekannt. Der damalige langjährige Verwalter des Forstschutzbezirks, in dem der Schwedengraben liegt, wußte zwar, daß sich eine Art Wall an der bezeichneten Stelle durchs Revier ziehe, kannte aber auch nicht seine Benennung; er hatte auch bisher keine Veranlassung gehabt, über den einstigen Zweck und die Herkunft dieses Walles sonderliche Betrachtungen anzustellen. Der Schweden graben ist eine etwa einen Meter hohe wallartige Erhebung, die augenscheinlich in der Weise entstanden ist, daß die Erde von beiden Seiten nach der Mitte zu aufgeworfen worden ist: das lassen die beiden flachen Gräben zu beiden Seiten des Walles deutlich erkennen. Er zieht sich in ziemlich gerader Richtung vom Spree- zum Löcknitztal. Er beginnt im Jagen 41 des Schutzbezirks Mönchwinkel der jetzigen Oberförsterei Erkner, überschreitet die alte Heerstraße Berlin- Frankfurt, die, weil auf ihr früher auch die Post von Berlin über Cöpenick, Erkner, Hangelsberg, Fürstenwalde nach Frankfurt verkehrte, noch heute häufig ,, Poststraße" genannt wird. kreuzt ferner das c- Gestell, geht dann rechts von dem Uebergange der Straße Mönchwinkel- Kleinwall über die Eisenbahn, schneidet diese Straße und erreicht im Jagen 53 das Löcknitztal etwas unterhalb Kleinwall.- Wer von dem Vorhandensein des Schwedengrabens keine Ahnung hat, würde vielleicht achtlos an ihm vorübergehen: er tritt in den hohen Beständen der Forst eben nicht stark genug hervor; für den Wissenden aber ist er noch heute deutlich erkennbar und leicht zu verfolgen.
Nach seiner Benennung könnte man den Schwedengraben für eine alte strategische Anlage der Schweden oder gegen die Schweden aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges halten, die den Zweck hatte, den Engpaß zwischen Spree und Löcknitz an dieser Stelle zu sperren. Aber diese Annahme ist aus verschiedenen Gründen zu verwerfen. Fürs erste wäre dieser immerhin nur flache Wall kaum ein sonderliches Hindernis gegen das Andringen eines Feindes gewesen, wenn auch zugegeben werden kann, daß er früher vielleicht höher gewesen sei und daß er erst im Laufe der Zeit, etwa durch die forstliche Bewirtschaftung, ver