Heft 
(1920) 29
Seite
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Ce enemangen Landes Lebus

Aber auch die Annahme von Wegener, der Prelauki nach Fürsten­walde verlegt, weil Prelauki ein älterer Name für Fürstenwalde gewesen zu sein scheine, ebenso wie der Name des nördlich von Fürstenwalde gelegenen Gutes Palmnicken, muß verworfen werden; denn daß Fürsten­walde früher jemals Prelauki oder so ähnlich geheißen hat, ist nirgends bezeugt und wird auch von Wegener durch einen irgendwie stichhal­tigen Grund nicht erhärtet. Von Palmnicken ist übrigens bekannt, daß dieses ehemalige Fürstenwalder Vorwerk seinen jetzigen Namen erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten hat von einem Besitzer, dessen Heimat das im Kreise Fischhausen in Ostpreußen belegene Palm­nicken war. Wegener meint dann weiter, daß dort ,,, wo die Spree hinter Fürstenwalde die Biegung nach Westen macht", die Grenze zur Löcknitz übergesprungen sei. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Spree gleich unterhalb Fürstenwalde eine kurze, nur etwa zwei Kilo­meter lange westliche Richtung hat, im übrigen aber bis Hangelsberg eine vorwiegend nordwestliche Richtung einschlägt. Sollte nun am West­ende dieser kurzen westlichen Richtung die Grenze zur Löcknitz ge­gangen sein, so hätte der Sprung" auch hier noch etwa zwölf Kilo­meter betragen. Außerdem bietet auch die Beschaffenheit der dortigen Gegend nicht den geringsten Anhalt für irgend eine Grenzmarke.

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Den Annahmen dieser beiden Forscher dürfte nach vorstehenden Dar­legungen demnach keine Beweiskraft gegen die von uns aufgestellte Grenzrichtung beizumessen sein.

Eine Sonderstellung unter den Forschern nimmt Curschmann ein, in­sofern als er Prelauki entweder bei Erkner sucht, weil dort die Löcknitz mit der Spee in Verbindung stehe, oder oder aber am Ende der Hangelsberger Forst, WO sich Spree und Löcknitz bis auf kurze Entfernung nähern. Curschmann meint, für die erste An­nahme spreche der Wortlaut der Urkunde, was wir bezweifeln; wir ver­weisen dieserhalb auf die Ausführungen weiter unten. Wenn Prelauki bei Erkner zu suchen wäre, so würde dadurch dem Lande Lebus ein weit nach Westen vorspringender, damals fast unbewohnter Landzipfe! zugesprochen, der die Grenze in unnatürlicher und auch wenig beliebter Weise verzerrt, etwa ähnlich wie der bekannte Entenschnabel" unse­rer ehemaligen Kolonie Kamerun.

Mit der Annahme der zweiten Gruppe, daß Prelauki unterhalb Für­stenwalde an der Spree gelegen habe, haben wir uns bereits weiter vor abgefunden. Wenn die Forscher dieser Gruppe die Grenze gegen das Ende der Hangelsberger Forst, oder, wie Breitenbach sagt: ¹)..in der Nähe von Hangelsberg oder Wulkow" von der Spree zur Löck­nitz übergehen lassen, so wird dadurch die von uns aufgestellte Ansicht unterstützt.

Nach der Ansicht beider Gruppen ist aber außerdem Prelauki mit der Stelle identisch, wo die Grenze von der Spree zur Löcknitz übertrat, und damit stehen sie im Widerspruch zu unserer Behauptung. Es fragt sich nun, ob diese Ansicht der Forscher aus der Urkunde von 1249 klipp und klar hervorgeht oder ob Wortlaut und Sinn der Urkunde auch die von uns vertretene Ansicht zulassen. Wir haben oben gezeigt, daß die Urkunde sehr allgemein gehalten ist und die Grenzrichtung bei wei­tem nicht so genau bezeichnet, wie dies beispielsweise die Fürsten­walder Grenzbestätigungsurkunde von 1285 tut; sie gewährt in der Tat mit ihren unbestimmten ,, usque" und, ubique" viel Spielraum. Hieße es in ihr an der betreffenden Stelle ,, de Prelauki in Lecnici", wie es vor­

1) Breitenbach, Das Land Lebus unter den Piasten. S. 95.