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K. Kelling
her heißt de Osdra.... in Prelauki", so könnte man wohl annehmen, daß die Grenze in Prelauki die Spree verlassen habe und von dort zur Löcknitz hinübergegangen sei; so aber heißt es ,, item ubique in Lecnici", das die Urkunde von 1336 mit ,, vort mer bez tzu Letinti" wiedergibt und das Wohlbrück nach letzterer mit ferner bis zu Letinti" und Breitenbach nach ersterer mit ,, ferner immer an der Löcknitz entlang" übersetzt. Dieses ,, vort mer" und also auch das ursprüngliche ,, item ubique" möchten wir mit ,, weiterhin" wiedergeben. Jedenfalls läßt die Urkunde den Punkt, wo die Grenze die Spree verließ, unbestimmt, ebenso wie sie auch mit der gleichen Wendung ,, item ubique in Köpnuci" die Stelle nicht genau festlegt, wo die Grenze von der Löcknitz zur Köppernitz ging, obwohl dies unzweifelhaft wohl nur an der Mündungstelle der Köppernitz in die Löcknitz oberhalb von Liebenberg geschehen sein kann. Die Urkunde von 1249 besagt also weiter nichts, als daß die Grenze nach Prelauki und weiterhin zur Löcknitz gegangen sei, daß also der Punkt, wo sie die Spree verlassen hat, bei, in der Nähe von, in der Gegend um Prelauki gelegen habe, was demnach unserer Annahme keineswegs widersprechen würde.
Wenn es uns im Vorstehenden gelungen ist, einen, wenn auch eng begrenzten, Abschnitt des alten Grenzenzuges des ehemaligen Landes Lebus festzulegen, so verdanken wir dies, wie gesagt, in erster Linie unserer Vertrautheit mit dem in Betracht kommenden Gelände, das uns seit vielen Jahren genau bekannt ist. Wie wir gesehen, hat eine verhältnismäßig stattliche Reihe von Forschern sich an dem Grenzproblem versucht, und wenn sie dabei oft zu den seltsamsten und mannigfachsten, zuweilen geradezu entgegengesetzten, keinesfalls aber völlig abschließenden und einwandfreien Ergebnissen gelangt sind, so liegt dies zum guten Teil an der von ihnen angewandten Methode. Es genügt eben nicht, auf einer mehr oder weniger guten Karte die Namen von Oertlichkeiten aufzusuchen, die den in den Urkunden aufgefühnten entsprechen oder doch zu entsprechen scheinen, oder aber gewagte etymologische Vermutungen aufzustellen, um auf diese Weise den Verlauf der Grenze festzustellen. Ganz gewiß wird man auch hierdurch hin und wieder zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen, aber an der Hand der bisher bekannten Urkunden den ganzen langen Lauf der Grenze lediglich mit solchen Mitteln zu bestimmen, wird niemals gelingen. Vielmehr gehört zu dieser Arbeit vor allem eine gründliche Kenntnis der Gegend und größte Vertrautheit mit dem Gelände: jede Erhebung, jede Terrainfalte, jeder Wasserlauf, jeder See, Sumpf und Tümpel, jedes Luch und Bruch, jeder Wall und jeder Graben muß nicht nur in topographischer Hinsicht genau bekannt sein, auch die Namen, besonders die alten, der gegenwärtigen Generation oft kaum mehr geläufigen Namen der Oertlichkeiten müssen gehörig gewürdigt werden. Deshalb aber vermag auch ein einzelner allein den ganzen langgestreckten Grenzlauf niemals in der gewünschten gründlichen Weise festzulegen, deshalb ist es durchaus nötig, die Grenzlinie in zahlreiche, möglichst kurze Abschnitte zu zerlegen und diese, soweit sie noch nicht völlig einwandfrei bestimmt sind, von einzelnen Forschern bearbeiten zu lassen.