Heft 
(1920) 29
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W. v. Schulenburg: Kinderschreck

Anna auf dem Stamm, Turnow(?). Auswärtige: auf der Biber( einem be­waldeten Höhenzuge bei Brannnenburg in Oberbayern) erschien den Kindern, wenn sie Taubeeren suchten, die schwarze Frau 8), schwarz angezogen mit schwarzem Schleier, und das Bibermandl; Kinder, geht nicht in den Wald, da ist der Waldmann, der frißt Euch auf, oder: die Waldmutter, Beinuhnen.

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8) Während in der Mark durch den Einbruch der Slaven in Norddeutschland im frühen Mittelalter und durch die mehr als ein halbes Jahrtausend währende Slaven­herrschaft bei uns die alte Ueberlieferung vielfach unterbrochen wurde, zeigt Ober­bayern den an bestimmte Oertlichkeit gebundenen Fortbestand altdeutschen Heilig­tums, wo es bei uns nur in der Sage fortlebt. So ist hinsichtlich der schwarzen Anna in der Lausitz hinzuweisen auf die schwarze Frau der Biber, wo noch die drei Biber­fräulein erscheinen, auch Meerfräulein genannt, die dem Müller auf der nahen Wachinger Mühle das Schicksal seines Geschlechtes voraussagten. Es sind die be­kannten drei Schwestern, von denen auch die märkische Sage berichtet; die Nach­fahren der Nornen. An der Südseite der Biber erhebt sich die St. Magdalenenkirche, ihr gegenüber, durch ein Tal geschieden, auf dem Groß- Brannenburger Berge die St. Margarethenkirche, weiter nördlich von beiden im Orte Brannenburg selbst die St. Annenkirche, also drei Kirchen, und weiter oberhalb dieser die wundertätige Schwarzlack- Kapelle( schwarze Lache). berühmt durch ein älteres Bild der Mutter Gottes, das vormals auf einem Baumstumpf befindlich, nach Brannenburg gebracht, immer wieder( wie so oft) an die Stätte seiner alten Verehrung zurückkehrte. Das heißt: bei Einführung des Christentums wollte die vom germanischen Glauben zur Kirche übergetretene Bevölkerung sich nicht trennen von ihren bisherigen Glaubens­stätten, die ihr von Altväter Zeiten her heilig waren. Wie schon Tacitus auf Grund altdeutscher Berichte schreiben konnte vom schwäbischen Bundesheiligtume in der Verehrung der Mark: in silvam anguriis patrum et prisca formidine sacram coeunt. Gottheit am geweihten Baum ist auch anzunehmen für die ,, Eiche", deren Stumpf man noch sieht ummauert im Fußboden der Klosterkirche zu Lehnin. Das Holz, der Wald ringsherum um die Kapelle Schwarzlack gilt noch heute als gesegnet, die Bäume wachsen schneller als sonstwo. So fand ich den Volksglauben dort noch i.J. 1888.

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Weitere Angaben betr. Kinderschreck, deutsche wie solche aus Dörfern mit wendisch­sprechender Bevölkerung s. in meinen Spreewaldsagen( 1-80), S. 141-143, 800, Wen­dischem Volkstum( 1882). 65-66, 148, 168, 169, und in meinen Mitteilungen Branden­burgia 1896, 141, 142, 147, 179, 182.