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Heimatkunde und Heimatpflege
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Handwerk und Gewerbe muß wieder wie in seiner besten Zeit durch Gediegenheit, Geschmack und Einfachheit, das Leben und die Häuslichkeit des Märkers schmücken. Aufsprießender Protzengeist werde im Keime erstickt. Auch das schlichteste Heim des Landarbeiters werde sauber, wohnlich und freundlich, damit auch seine Bewohner sich heimisch fühlen auf märkischer, auf deutscher Erde. Was aber können und sollen denn nun all die berufenen Pfleger des Heimatgedankens tun? Mit kurzen Worten sei es gesagt. Sie haben dafür Sorge zu tragen, daß unserem zertretenen, niedergeschmetterten Volke aus dem Urboden der Heimat neuer Mut, neue Kraft und neue Freude erblühe.
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Wie aber soll das geschehen? Was kann der einzelne dazu tun? Nur auf einen Weg sei heute hier verwiesen.
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In allen Provinzen unseres Landes gibt es schon seit Jahrzehnten Heimatvereine. Männer mit Idealen haben sich da zusammengeschlossen. Im Stillen wurde gearbeitet. Man hörte nicht viel von ihnen, mochte auch nicht viel hören. Alle diese Bestrebungen hatten ja nur höhere Zwecke. Sie brachten kein Geld ein, also:„ Unnütz"! So dachten Tausende! Armselige Menschheit! Als ob es in dieser Welt nur den elenden Götzen Mammon gäbe! Alle Heimatvereine fristeten notdürftig über Wasser gehalten ein stilles Dasein. Die Not der Zeit hat auch hier die Schlummernden, die Gedankenlosen geweckt! Der Heimatgedanke hat neues Leben gewonnen. Hier ist ein Gut zu pflegen und zu schützen, das uns die ausgesuchteste Menschenbosheit nicht verleiden kann. Die Freude an der Heimat, an heimischer, deutscher Kultur mit ihren Erinnerungen und ihren Schätzen, ihren Quellen und ihren Gaben kann uns niemand vergällen. So hat der Heimatgedanke neue starke Wurzeln geschlagen. Die Zahl der Mitglieder unserer märkischen Gesellschaft für Heimatkunde und Heimatschutz hat sich im Laufe der letzten 1 Jahre um mehr als die Hälfte vermehrt. Zu diesem Erfolge kam es jedoch nur infolge einer Voraussetzung. Die Arbeiten der Heimatfreunde mußten vertieft werden durch die alles durchdringende und alles erforschende Tätigkeit der Wissenschaft. Forscher und Heimatfreunde müssen Hand in Hand miteinander arbeiten. Was einzelne Freunde der Heimatkunde am Ort ihrer Wirksamkeit erkannt, das verarbeitet und vertieft die Wissenschaft, und die Ergebnisse der Forschung werden wieder durch die Heimatvereine und ihre Pfleger hinausgetragen in die entlegensten Städte und Dörfer der Provinz, in jedes Schul- und jedes Pfarrhaus, in jeden Bildungsverein und zu jedem Hofbesitzer. Durch das Nachrichtenblatt des Heimatvereins und durch die aus dieser Quelle mit nachgeprüften Mitteilungen gespeisten Ortszeitungen erfährt jeder von allen Beobachtungen und Entdeckungen seiner Heimatprovinz und wird dadurch wieder angeregt, selber neue Beobachtungen zu sammeln und weiterzugeben. Aus dieser Wechselwirkung keimt immer neues Leben. Die Heimatkunde wird immer gründlicher, immer tiefer erfaßt. Der Heimatschutz arbeitet immer wirksamer. Heimatliebe und mit ihr die Vaterlandsliebe werden gefördert. Der Mensch- ob arm ob reich gewinnt mehr Freude an seiner Umwelt, die Ansprüche an feiertägliche Zerstreuungen werden höhere, die Menschheit sucht Erholung und Abwechselung in edlem Genuß. So wird der Mensch erzogen, emporgezogen in die Welt des Schönen, des Guten, des Wahren. Jeder Stadtund Landbewohner wird glücklicher je mehr und inniger man ihn an die Heimat kettet.
Das ist die große Aufgabe der Heimatvereine. Das ist die große Aufgabe auch der Brandenburgia, der Gesellschaft für Heimatkunde und Heimatschutz in unserer Provinz Brandenburg.