Heft 
(1920) 29
Seite
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Buchbesprechung

Wer sich von solchen Gedanken angezogen fühlt, wer mitarbeiten will am schönen Werk der Erforschung der Heimat, der trete in unseren Kreis. Wir kommen wahrlich nicht als Bettler. Unsere Vereinigung hat solchen Zustrom wie wir ihn jetzt erleben, nie gesehen. Wir kommen als Gebende! In armer Zeit fühlen wir uns reich! Wir teilen von diesem Reichtum Wir suchen gern anderen mit. Wir suchen Gleichgesinnte, Mitarbeiter. Freunde, die gleiche Freude an der Heimat haben und diese ungetrübte Freude auch in andere Herzen tragen wollen. Kurz gesagt: Wir suchen Freunde der Heimat!

Heimatkunde darf und soll aber nicht zum Selbstzweck werden. Sie hat letzten Endes in den Dienst einer größeren Sache zu treten. Der Märker, der Pommer, der Schlesier, der Sachse, der Bayer, der seine engere Heimat liebt, der ganz im Heimatboden wurzelt, wird auch ein guter treuer Deutscher sein, deutsche Kultur und deutsches Wesen schätzen und seine Art vertreten. Würde­pflegen und nicht hochmütig, aber stolz losigkeit dem Auslande gegenüber gäbe es dann nicht bei allem Verständnis für fremde Eigenheiten. Nur auf diesem Wege wird man uns wieder achteu lernen und achten müssen.

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Deutsches Wesen und deutsche Kultur müssen genährt werden aus dem Boden der Heimat. Jeder kann da mitarheiten, und wer sich dieser Mit­arbeit entzieht, versäumt eine hohe heilige Pflicht.

Buchbesprechung

Walther Classen: Wie der deutsche Osten entstanden ist.( Das Werden des deutschen Volkes, Heft 1). Hamburg, Verlag des Deutschen Volks­tums( 1920). 100 S. M. 3,20 zuzügl. Teuerungszuschläge.

Die lebendige Darstellung, das starke Sicheinfühlen des Verfassers in den Stoff, das sind die Vorzüge des Buches. In einer Weise, die zuweilen an Gustav Freytag erinnert, schildert Classen jene Jahrhunderte, in denen auf dem Boden östlich der Elbe und Saale deutsches Leben erwuchs. Es bleibt bedauerlich, daß er nicht wenigstens kurz auf die deutsche Vorzeit einging, von der uns die Schätze der Erde immer genauere Kunde geben. Freilich ist es zweifelhaft, ob Classen der Mann wäre, der breiten Menge, für die das Buch geschrieben ist, der rechte Dolmetsch des Geistes jener Zeiten zu sein; denn wissenschaftlich ist das Buch nicht durchweg so fest gegründet und so genau gearbeitet, wie man es auch bei sogenannten volks­tümlichen Darstellungen unbedingt fordern muß. Classen ist in erster Linie Theologe und Sozialpolitiker, und jener zeigt sich auch in der breiten Dar­stellung des mittelalterlichen geistig- kirchlichen Lebens( S. 23 ff.). Von der ,, Volksfreiheit" der mittelalterlichen Stadt zu sprechen, ist mehr als gewagt und heißt das Wesen der Städteverfassung jener Tage verkennen. Ebenso­wenig vermag man mit dem Begriff des ostdeutschen ,, Obrigkeitsstaates" etwas Die Hauptlinien anzufangen, so beliebt dieses Schlagwort zur Zeit auch ist. freilich sind richtig gezogen. Um des starken ethischen Gehaltes willen, der diese Schrift erfüllt, und der besonders in der warmherzigen Einlage, einer Aufforderung zur Kolonisationsarbeit, kenntlich ist, mag das Werk empfohlen werden. Der Mark Brandenburg ist natürlich ein eigenes Kapitel gewidmet. Bei den Literaturangaben auf S. 99 ist selbstverständlich das lesenswerte Buch von Richard Sebicht, Unsere mittelalterliche Ostmarkenpolitik"( Breslau