52
Buchbesprechung
Das Ziel ist gut und groß. Das Kapitel über unseren Zusammenbruch gehört wohl zum besten, was überhaupt darüber geschrieben worden ist, weil der Verfasser hoch über jeder Partei steht und nur von seiner Liebe zum deutschen Volke getragen wird.
Wege wird man zuweilen verschiedener Meinung sein können.
27
Auch für den Kampf gegen gesellschaftliche Feigheit" und für„ Voranstellung sachlicher Ueberzeugung" tritt der Verfasser ein als für einen ,, uns bitter notwendig gewordenen Teil von staatsbürgerlicher und Kulturerziehung". Er ist für das offene Wort. Sei es auch ihm gegönnt. Niedlich, der altgermanische Kultur als ein, wenn nicht gar als das Idealbild deutscher Kultur allen Deutschen so warm und begeistert vor Augen stellt, hat von dieser altgermanischen Kultur eine sehr mangelhafte und noch dazu vielfach schiefe Anschauung. Natürlich ist er selber auch nur ein Beweis mehr für die unverantwortliche Vernachlässigung unseres Vätererbes. Aber es ist doch merkwürdig, daß ein so klarer Denker, der mit unbarmherziger Schärfe anf allen Gebieten das Echte vom Halbechten scheidet, in diesem Falle das von einer streng methodisch arbeitenden Wissenschaft klar Erkannte von dem durch gewiß warmherzige Freunde mit geringerer Sachkenntnis Erträumten nicht immer ganz scharf auseinanderzuhalten vermag und sogar vor einem ganz ungerechten Angriff gegen die ,, Zunftgelehrten" nicht zurückschrickt. Seien wir uns aber darüber klar: Wenn auf irgend einem Gebiete, dann gibt es auf dem so ganz vernachlässigten Boden altgermanischer Kultur mit ruhiger Sachlichkeit zu forschen und zu schürfen, nicht ein Kartenhaus aufzubauen, das der leiseste kritische WindWie überall, so stoß ins Wanken bringt oder gar über den Haufen wirft. hat auch hier die Wissenschaft voraussetzungslos zu arbeiten. Dadurch nützt sie der Erziehung zur deutschen Kultur tausendmal mehr als wenn sie im vermeintlichen Dienste dieser Erziehung ihre Ergebnisse färbt, umbiegt, nur um Haaresbreite verrückt oder auch nur durch eine" patriotische" Brille siebt. In allen Fällen hört sie auf, Wissenschaft zu sein.
Bei dem Hochstand altgermanischer Kultur ist aber ,, Tendenz" nicht nur vom Uebel, sondern auch gar nicht nötig. Die reine, ungeschminkte Wir können getrost auf alles verWahrheit wirkt hier viel erfrischender. zichten, was nicht erwiesenermaßen germanisch ist und germanisch sein muß. Die Ergebnisse der Wissenschaft reden eine machtvolle Sprache. Neben der sonst so reichlich angezogenen Literatur ist das, was über diesen Gegenstand gegeben wird, mehr als dürftig und bei der Bedeutung gerade dieses Faches auch in seinem Plane ist es schwer verständlich, wie der Verfasser gerade hier versagen konnte. So weiß er auch nichts von allem, was zur Förderung schon geschehen ist und schildert so, als ob beinahe gar nichts geschehen wäre. Kein Wort davon, daß hier in Berlin die Bewegung in seinem Sinne längst im Gange ist, daß wir über Vorarbeiten und Vorschläge längst hinausgekommen sind. Der Grundlehrplan für Berliner Schulen von 1914 wird als guter Anfang erwähnt. Die ganze Arbeit des Märkischen Museums und der Heimatkundlichen Vereinigung" des Berliner Lehrervereins wird übersehen. Berlin nimmt aber gerade auf dem Gebiete des Die Vorschläge heimatkundlichen Unterrichts eine führende Stellung ein.
für den neuen Lehrplan wirken geradezu umstürzlerisch und bahnbrechend. Kein Wort davon. Daß über die Einfügung der heimischen Altertumskunde. in den Schulunterricht schon 1915 ein Buch erschienen ist, das sich durch seine eigene Wirkung heute schon überholt hat, ist unbekannt. Es ist außerdem bedauerlich, daß ein in Groß- Berlin lebender, so warmer Fürsprecher der deutschen Kultur mit unserer Gesellschaft für Heimatkunde gar keine
g
T
i