Das norddeutsche frühhistorische Schwein
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Die Gaumenbreiten bewegen sich fast in denselben Grenzen im hinteren Teil des Gaumens, werden nach vorn zu jedoch schmaler; es verhält sich die vordere Gaumenbreite zur Jochbogenbreite wie 1: 3,5 w.
1: 3,3 m.
dieselben Zahlen beim Wildschwein 1: 3,6 w.
beim Hausschwein m. und w.
1: 3,4 m.
13,6, d. h. beim männlichen Tier ist mit Ausnahme des wildschweinähnlichsten Hausschweines die vordere Gaumenbreite relativ größer.
Die Tränenbeinmasse zeigen bei 555 eine besondere Auffälligkeit, als sich der Index hier demjenigen der indischen Schweine nähert, während 149 ein länger ausgezogenes Tränenbein, dem Wildschwein ähnlicher besitzt.
Die Ausmessungen der Backenzahnreihen sind bis auf sexuelle Variationen untereinander gleich, im Verhältnis zu Gruppe 2 relativ jedoch größer, dem s. ser. palustris Rütimeyer in den Prämolarenmassen ähnlich.
Nun zur Vergeichung der Schädel selbst. Auffallend ist die rhombische Gestaltung der Stirnfläche; sie wird gewissermaßen noch unterstrichen durch flachwulstige Verdickung der Augenbogen, der von dort auslaufenden Kämme der Schläfenbeine sowie tiefe Aushöhlung der Oberkieferbeine vor den Augenhöhlen, wudurch die zum Nasenrücken führenden Leisten schärfer hervortreten. Ebenso scharf treten alle Muskelansätze und Knochenleisten hervor, der Schädel erscheint stärker ausgemeißelt, da es sich zudem um ältere Exemplare handelt.
Eine deutlich sichtbare Senkung des Stirnbeines in der Augenpartie ist auch hier vorhanden, wenn auch nicht so stark ausgeprägt wie bei der vorigen Gruppe. Ferner ist bei 555 eine Wölbung des Stirnbeines wahrnehmbar, die jedoch nicht derjenigen gleicht, wie sie jüngere Schädel aufweisen. Vor der Schuppe des Hinterhauptsbeines liegt ein stärker als beim Wildschwein ausgebildeter kleiner Höcker.
Die hintere Kante des M 3 steht bei 149 senkrecht unter dem Vorderrand der Crbita, bei 555 16 mm dah nter.
Während nun Schädel 555 im Zahnbau den übrigen gleicht, besitzt der Talon des M 3 bei 149 eine besondere Gestaltung; er besteht, genau wie Rütimeyer ihn für das Torfschwein beschreibt, aus einem kräftigen( fünften) Höcker am Innenrand, um welchen sich außen herum ein Kranz von 3-4 dichtgeschlossen kleinen Lappen anlegt. Der Talon schließt dabei nach hinten auffallend rasch ab, der ganze Zahn ist daher relativ kürzer als beim rezenten Schwein. Ferner lassen sich die eigentümlichen Kontourlinien in der Schmelzfläche genau wie beim Torfschwein der Schweiz nachweisen, wenn auch die Farbe und Dicke der Emailschicht etwas davon abweicht( altes Exemplar!).
Leider fehlt gerade bei A III 149 der Incisivteil; es wäre interessant, zu wissen, ob hierbei die besonderen Eigentümlichkeiten des Torfschweines Rütimeyer ebenfalls anzutreffen sind.
Die Frage der Klassifizierung ist für die beiden letzten Schädel getrennt zu lösen. Unzweifelhaft sind beides Hausschweine, denn M 3 steht hinter. oder unter dem Vorderrand der Orbita und eine Senkung des Stirnbeines vor den Augenhöhlen ist unverkennbar vorhanden.
Während das Tränenbein von A III 149, wie bereits erwähnt, dem Wildschwein ähnlicher ist, zeigt A III 555 einen Index, welcher zwar noch in die Masse der Torfschweine fällt, jedoch darauf hindeutet, daß der Ursprung der Vorfahren dieses Exemplares nicht im Wildschwein zu suchen ist. Rütimeyer wies bereits eben des eigentümlichen Baues des Tränenbeines wegen auf die Verwandschaft des Torfschweines mit sus vittatus hin, und Otto kommt zum gleichen Resultat.