Heft 
(1921) 30
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Karl Rickmann

Duerst entwickelt in großzügiger Art die allmähliche Einwanderung der primitiven Haustiere, darunter auch des Torfschweines, aus Zentralasien. Der Import unserer ältesten Haustiere aus Asien ist doch nun einmal etwas, was als Tatsache hingenommen werden muß, wenngleich ja die Wege, die die Völkerzüge mit ihren Haustieren genommen haben, heute noch nicht festzu­stellen sind."( Duerst) Und Hoesch: Soweit daher der heutige Stand der Forschungen reicht, kann man die frühzeitige Erzüchtigung eines asiatischen Hausschweines aus dem südasiatischen Vittatus- Typ als wahrscheinlich ansehen und ebenso die Abwanderung einer solchen domestizierten Form in die west­lichen Gebiete frühzeitiger Kultur." Dies alles ist leichter verständlich, sind doch die in Anau entstehenden Haustiere dieselben, die die ersten europäischen Pfahlbauer und sonstige Neolithiker besitzen."( Duerst)

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Danach wäre also unser Exemplar 555 ein Individium der primitiven. Rasse mit Anklängen an s. vittatus.

Vergleichen wir weiter die Masse von A III 149 mit denen des Torf­schweines Rütimeyer, so ergibt sich eine ziemliche Gleichmäßigkeit in den Hauptausmessungen, wobei noch zu beachten ist, daß die meisten Fundobjekte von Torfschweinen, welche Rütimeyer kraniometrisch festlegte, von jüngeren Exemplaren stammen, während A III 149 bereits in vorgerücktem Alter steht.

Ich glaube daher, in der Behauptung nicht fehl zu gehen, daß A III 149 als ein dem Torfschwein Rütimeyer ähnliches, im Zahnbau gleiches Exemplar anzusehen ist.

Prüfen wir bei dieser Gelegenheit den Schädel des s. scr. nanus Nehring einmal nach der gleichen Methode, wie soeben die Reihe unserer Versuchs­objekte. Dabei kommt man zu dem überraschenden Resultat, daß die Ansicht Nehrings, es handele sich hier um einen Kümmerer des Wildschweines, nicht richtig sein kann. Ein Kümmerer, mag er noch so schwächlich sein, behält im Zahnbau stets noch den Charakter des Wiidschweines bei, wie es an den Schädeln von zwei sogenannten Parksauen" aus der Eberswalde Sammlung deutlich zu Tage tritt; er zeigt aber nicht, wie s. scr. nanus, im Bau des M 3 alle Eigentümlichkeiten des Torfschweines. Ferner steht auch bei Kümmerern vom Wildschwein M 3 vor dem Vorderrande der Orbita, bei s. scr. nanus dagegen 14 mm dahinter. Daß ferner s. scr. nanus kein Einzelfund, sondern am selben Ort in mehreren Exemplaren vorhanden gewesen sein muß, geht aus dem Schädelfragment Nr. 4332 der Landwirttchaftlichen Hochschule hervor, welches Nehring bereits 1886 gekannt und eigenhändig signiert, aber weiter niemals erwähnt hat. Während 3336 einem jungen( 3 jährigen) Tiere ange­hört, dessen Schädelnähte noch nicht einmal verknöchert sind, zeigt 4332 bei fast gleichen Massen den Charakter eines älteren Tieres, dessen Schädel­nähte kaum mehr erkennbar sind.

Und nun sei es mir sogleich gestattet, dem bisherigen s scr. nanus" seinen gebührenden Platz anzuweisen. Es liegt zu nahe, Vergleiche mit nach­weisbar örtlich benachbarten Gattungsgenossen zu ziehen, sodaß ich nicht versäumen will, die Masse Nehrings mit denen zusammen zu stellen, welche Duerst bei Torfschweinen in Burg im Spreewald gefunden hat:

Nehring

Duerst

5. Vom Unterrande des Foramen magnum bis zum

Ausgange des Vomer.

7. Breite des Schädels an den Jochbogen

. 41 120

45 104-133

တံ

8.

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9.

Postorbitalfortsätzen. 34

34

دو

وو

99

99

99

im Tränenbeinrand.

60

59

99

"

14. Gaumenbreite bei M 3

24

22

.