Heft 
(1921) 30
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Prof. Dr. F. Solger

Menschen, dessen Pfade naturgemäß die Tiefenlinien solcher Tal­furchen wählen, die Pflanzendecke zunächst zerstört haben und daß danach erst die Auswaschung der Schluchtform und die Verschwemmung des ausgewaschenen Sandes hat eintreten können. Dort handelt es sich dann nicht sowohl um Bildungen der Humuszeit, als um solche der Kulturzeit. Das finden wir denn auch durch den Vergleich mit weniger begangenen Stellen des Grunewalds bestätigt, an denen wir die Talmulden der Dünenzeit und die davor gleichzeitig aufgeschütteten, heute dicht bewachsenen Schuttkegel noch so gut wie unversehrt unter der schützenden Pflanzendecke der Humuszeit erhalten sehen, z. B. am östlichen Gehänge der Teufelsseerinne im Norden des Teufels­sees im Jagen 111. Schwieriger zu trennen sind die Wirkungen der Humuszeit und der Kulturzeit in den bekannten Rommeln des Flämings. Aber auch dort ist deutlich sichtbar, daß diese jungen Auswaschungen im Grunde älterer flacherer Talformen liegen, die wir der Dünenzeit zuschreiben müssen. So ergibt sich, daß, obwohl die Dünenzeit jedenfalls viel weniger Regenfall und demnach geringere Abflußmengen gehabt hat, als das jetzige Klima sie mit sich bringt, doch die Wirkung des abfließenden Wassers damals stärker war als heute, weil eben der Widerstand der Pflanzendecke damals fehlte. Es liegt nahe, nun ähnliche Tal­mulden und Schuttkegel auch bei unsern dauernd fließenden Ge­wässern zu suchen und zu fragen, ob sie auch da auf die Dünen­zeit zurückzuführen sein werden. Ich wähle zunächst einen Bach, bei dem die Geringfügigkeit der heutigen Wasserführung nicht wohl einen Zweifel darüber lassen kann, daß er heute keine kilo­meterweiten Schuttkegel mehr erzeugt. Da bietet sich die Aus­mündung der Wuhle auf das Berliner Haupttal, d. h. auf die Spreeniederung am Südabfall der Barnimhochfläche bei Kaulsdorf. Wenn wir von Kaulsdorf auf der Chaussee südwärts nach Köpenick gehen, sehen wir im Osten deutlich den Rand der Hoch­fläche abgezeichnet, im Westen aber endigt hier die Talmulde der Wuhle mit so flachen Abhängen, daß sich in ihnen keine Rinnen eines oberirdischen Abflusses zeigen, der Auswaschungen hervor­rufen könnte, vielmehr sickert der Regen unmittelbar ein, und der Abfluß erfolgt nur durch das Grundwasser. Dies Tal entstand also nicht unter den jetzigen Bedingungen, sonst müßten wir diese heute noch an ihm arbeiten sehen. Wie es entstand, mag noch zweifelhaft bleiben. Es könnte vor der Bewachsung durch Wasser ausgewaschen und durch abschleifende Windwirkung ab­geflacht sein, oder es könnte schon unter dem Eise vorhanden gewesen sein. Ja, seine Anlage muß sogar unter dem Eise der Eiszeit schon dagewesen sein; denn das später abfließende Wasser konnte nur einen Weg wählen, der als Tiefenlinie schon vor: gezeichnet war. Indessen ist an so flachen Talformen überhaupt nicht zu entscheiden, wie weit sie auf die Wirkung von Wasser und Wind zurückzuführen sind. Besser ist das bei dem Schutt kegel möglich, den wir betreten, wenn wir nun vom Südrande des Barnim weiter durch die Niederung nach Süden gehen. Im Ge­lände freilich wird ihn nur das geübte Auge sehen können. Besser erkennt man ihn auf der Karte, wo sein trockneres Ackerland sich abhebt von den westlich benachbarten feuchteren Wiesen des