Heft 
(1922) 31
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Dr. K. Hucke

fahrungstatsachen aufgebaut war, und es ist nicht ohne Reiz zu verfolgen, wie die Zerrennmeister" und" Hohenöfner" ohne die mindeste theoretische Einsicht in die wahren chemischen Ursachen ihrer Verrichtungen gute Erfolge erzielten. Freilich kamen ihnen dabei verschiedene Zufälligkeiten zu Hilfe, z. B. der hohe Mangangehalt des Raseneisenerzes, der die Bildung von Eisen­karbid( Fe, C) im Roheisen befördert. Damit kommen wir zu der sogenannten Frischarbeit. Schon bei den alten Luppenfeuern verwendete man, wie wir sahen, einen besonderen Löschherd zum Ausheizen des gewonnenen Eisens. Auf ihm wurde die Luppe einem Reinigungsprozeß unterzogen: sie wurde von der Schlacke befreit und die halbgaren Bestandteile wurden entkohlt. Seit Verwendung der Stücköfen wurde diese nachträgliche Bearbeitung des Stückes immer notwendiger, da das erhaltene Schmelzprodukt immer größere Dimensionen annahm und in seiner Zusammensetzung sehr ungleichmäßig war. Man zerschlug daher das Stück, erhitzte die einzelnen Teile und bearbeitete sie mit dem Hammer. Da sich nun herausstellte, daß bei diesem Verfahren zu hartes Eisen weich wurde, so ging man dazu über, von dem beim Stück­ofenprozeß teilweise mitfallenden flüssigen Roheisen einen Teil auf dem Lösch­herde mitzuverarbeiten, und so war es bis zum Frischen d. h. zum Entkohlen und Schmiedbarmachen des Roheisens selbst nur noch ein kleiner Schritt. Damit war der Sieg des einfacher und wirtschaftlicher arbeitenden Hochofen­betriebes, der nur Roheisen lieferte, entschieden,

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Man weiß heute, daß die verschiedenen Eigenschaften des Eisens( Gieß­barkeit Elastizität und Härte Schmiedbarkeit) auf einem ganz bestimmten Kohlenstoffgehalt beruhen. Die Verwandlung des gießbaren Roheisens in das weiche, dehnbare Schmiedeeisen entspricht einer Kohlenstoffentziehung: das ist das Frischen, welches sich in 3 Stufen vollzog, die schon seit alter Zeit besondere Namen führten: das Feinen, das Rohfrischen und das Garfrischen. Beim Frischprozeß wurde das Eisen dreimal auf dem Frischherde im Gebläse­feuer niedergeschmolzen. Beim Feinen ging das graue Roheisen in weißes Roheisen über; beim Rohfrischen verwandelte sich das weiße Roheisen in Stahl; beim Garfrischen endlich entstand das kohlenstoffarme Schmiedeeisen. Es würde zu weit führen, hier die technischen Einzelheiten zu verfolgen und die verschiedenen chemischen Umsetzungen genauer zu beschreiben, welche beim Frischen vor sich gehen. Das aber sei noch kurz angedeutet, daß beim Frischen auch der Phosphor, jener schädliche, die Kaltbrüchigkeit ver­ursachende Begleiter des Eisens, der schon im Raseneisenerz enthalten ist, bis auf einen gewissen Bruchteil zurückgeht. Da der hohe Mangangehalt des Raseneisensteins, wie bereits oben erwähnt, die Bildung von Eisenkarbid be­günstigt, so entstand in den märkischen Hochöfen, namentlich bei richtiger Gattierung d. h. Mischung verschiedener Erzsorten, meist gar nicht erst das Faẞt graphithaltige graue Roheisen, sodaß das Feinen überflüssig wurde. man alles zusammen, so kann man sagen, daß beim Luppenfeuer und größten­teils auch im Stückofen das Frischen gleich unmittelbar im Schmelzofen vor sich ging. Beim Hochofenprozeß dagegen bildete das Frischen eine be­sondere Herstellungsphase für sich, die nach dem Schmelzen unbedingt nötig war, um schmiedbares Eisen zu gewinnen, ein Nachteil, der durch die Er­sparnis an Brennmaterial sowie durch den geringeren Eisenverlust in der Schlacke allerdings vollkommen aufgewogen wurde. Mit anderen Worten: während im Luppenfeuer und Stückofen Schmiedeeisen unmittelbar hergestellt wurde, lieferte der Hochofen dies Produkt nur mittelbar.

Mit der Gewinnung des leicht schmelzbaren Gußeisens in den Hochöfen begann die Entwicklung der Eisengießereien. Man arbeitete mit Sand- und Lehmformen. In Sandformen wurden flache Stücke gegossen, z. B. Ofenplatten,