Heft 
(1922) 31
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Dr. K. Hucke

milde, leichtflüssige Erze, den Lindstein, von dem strengflüssigen Raudenstein und wußte, daß stark quarzhaltige Erze strengflüssig sind und graues Roh­eisen liefern.

Zum Zwecke der Förderung wurde zunächst ein Aufschlag gemacht, d. h. die obere Rasendecke wurde abgehoben. War der Eisenstein lose( sogenannter Graupenstein), so konnte man ihn mit der Schaufel herausheben; der feste Schalen- oder Kaulenstein dagegen mußte vorher mit der Haue bearbeitet werden. In den ältesten Zeiten der Eisensteingewinnung überließ man die Förderung den Eisensteingräbern gegen einen bestimmten Akkordlohn, und diese beuteten nur die ergiebigsten Lager aus. Später aber, als das Erz nicht mehr im Überfluß vorhanden war, hörte dieser Raubbau auf, und die Reviere mußten nach einem bestimmten Plan rein ausgefördert werden. Der Grundbesitzer erhielt für die durch die Eisensteingrabungen verursachten Schäden auf Wiesen und Hutungen ein Entgelt, das für den geförderten Kasten einige Groschen betrug. Gewöhnlich wurde das geförderte Erz gleich neben der Grube auf einer Eisenplatte bis auf Nußgröße zerschlagen und un­schmelzwürdige Gesteinspartien ausgehalten. Der schmelzwürdige Stein aber wurde noch gewaschen und zu diesem Zweck in ein Sieb getan, das in einem neben der Grube angelegten Wasserloch hin und her geschwenkt wurde. Endlich wurde das Erz auf der Hütte zur endgültigen Reinigung vom Sand meist noch durch eine Fege geworfen und gesiebt,

Die ersten märkischen Eisenschmelzen befanden sich in der Lausitz, wo Die ältesten geschicht­schon in prähistorischer Zeit Rennfeuer brannten. lichen Nachrichten über Eisenhüttenwerke reichen bis etwa auf das Jahr 1200 zurück. Damals bestand schon ein Hammer zu Droskau( nordwestlich Sorau) und bei Dobrilugk. Ob der letztgenannte Eisenhammer von den Mönchen des 1184 gegründeten Zisterzienserklosters zu Dobrilugk betrieben wurde, und wie weit überhaupt Angehörige der damals die Mark kolonisierenden geistlichen Orden Anteil haben an der Verbreitung und Entwicklung der Eisen industrie in der Provinz Brandenburg, ist eine offene Frage. In späterer Zeit haben sich die Hohenzollern nachweislich um die Anlegung und Unter­haltung von Eisenhütten sehr verdient gemacht. In den kommenden Jahr­hunderten wurden die Neugründungen von Eisenhämmern immer zahlreicher, sodaß um 1600 bereits eine stattliche Anzahl derartiger Betriebe vor­handen war.

Aus dem Jahre 1374 ist ein Lehnbrief Karls IV. erhalten, nach dem der damals bereits bestehende Hammmer zu Schlepzig( nördlich Lübben) Der Schlepziger Hammer einem gewissen Hans Schleubub verliehen wurde.

war im 16. Jahrhundert noch im Betrieb und verarbeitete wahrscheinlich den Eisenstein des Unterspreewaldes und der von Golßen sich nach Baruth er­streckenden Niederung. Das Karolinische Landbuch von 1375 erwähnt ein durch Wasserkraft getriebenes Hammerwerk( molendinum et malleum fabricans Die ur­per motum aquae) bei Neumühle, in der Nähe von Oranienburg. kundlichen Nachrichten über den Eisenhammer bei Zehdenick in der Ucker­mark gehen bis 1438. zurück. Bei dem Dorfe Maust, südlich von Peitz, war schon vor dem 16. Jahrhundert ein Luppenfeuer im Betrieb; das Hüttenwerk von Peitz selbst bestand bereits im Jahre 1554. Bis zum 30. jährigen Kriege gab es außer den genannten auch noch Hämmer an folgenden Orten: bei Radach( Kreis Sternberg), bei Kunersdorf( Kreis Krossen), unweit Ruhlsdorf ( Niederbarnim), bei Gottow( Kreis Jüterbogk- Luckenwalde), bei Steinbusch ( Kreis Arnswalde), bei Hegermühle( unweit Eberswalde). Zwischen Berlin und Rüdersdorf soll um 1550 Eisenstein gegraben worden sein.