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Konrad Strauß
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dem Brande bei oxydierendem Feuer oben rotbraun. Wir sehen also, daß dieser Ton bereits bei einer Temperatur von 1300°-1500° schmilzt, bei der z. B. Bunzlauer Topfgeschirr gar" bezw. gut gebrannt wird. Der Bunzlauer Scherben braucht eine viel höhere Temperatur, um zum Zusammenschmelzen Würde man also gebracht zu werden. und das ist auch im späten Mittelalter getan worden mit Frankfurter Ton ein Bunzlauer Gefäß überziehen, so würden wir nach dem Brande von 13000-1500° einen Bunzlauer Topf mit völlig zusammengeschmolzener Tonschicht( Glasur genannt) herausbekommen. Diese Tatsache, das man leichtschmelzbare Tone als Glasur für feuerfeste Ware verwenden kann, haben sich schon die Töpfer in alter Zeit zunutze gemacht ( Lehmglasur). In einer Temperatur von 900°-1000°( S. K. 0,9 oder Silberschmelzhitze) wie sie zum Brennen für Ofenkacheln Verwendung findet, zeigte der Frankfurter Scherben keinerlei Veränderung. Also wir haben die ,, Gartemperatur für die Frankfurter Gefäße auf ca. 1000 Grad zu setzen.. Da nun der Ton infolge der starken Flußmittel( CaO, Fe O.) schon bei verhältnismäßiger niedriger Temperatur stark zusammensintert, so wird dieser Scherben bei dieser Temperatur klingend hart gebrannt. Es ist überhaupt schon ein Erfolg der Töpferei im frühen Mittelalter, daß sie versuchte, klingend harte, gesinterte steinzeugartige Ware herzustellen; denn die voraufgegangenen prähistorischen und slawischen Gefäße waren fast nur einem gelinden Schmauchfeuer ausgesetzt. Nun finden wir bei den Hunderten von Scherben zwar einige, die eine stellenweise glatte, glänzende Oberfläche, besonders am Rande oder am Boden, zeigen, obwohl sonst alle Scherben rauh und uneben sind. Man könnte nun auf die Vermutung kommen, es handle sich um eine beabsichtigte Glasur, und zwar um einen Anflug von Salzglasur. In der Tat soll ja am Rhein schon im frühen Mittelalter das Steinzeug mit Salz glasiert worden sein. Das geschah, in dem man gegen Ende des Brandes in die Glut Kochsalz schüttete, daß infolge der hohen Temperatur sofort verdampft; das Natrium schlägt sich am Scherben nieder und geht mit der Kieselsäure des Tones eine Verbindung ein, die wir als ,, Salzglasur" bezeichNun aber stehe ich dieser Ansicht, daß es sich um Versuche von ,, Anflug- Salzglasur" handele, etwas zweifelnd gegenüber. Einmal würde, um nach dem Alter der Scherben zu urteilen, die Anwendung der Salzglasur in hiesiger Gegend etwas zu früh erscheinen und außerdem sind die Flecken zu vereinzelt. Bei wirklicher Anflugglasur müssen größere Stellen von dieser behaftet sein Ich suche vielmehr diese Art Glasur, denn um solche handelt es sich tatsächlich, einfach in der Ueberfeuerung des Geschirres. Wie ich schon vorher ansführte, fängt der Ton in höheren Temperaturen allmählich zu schmelzen an, und das ist auch hier passiert Einige Töpfe, die näher der Feuerung standen, haben mehr Hitze als nötig bekommen, infolgedessen sind dünne Schichten der Tonmasse( Stand, Bodenrand usw.) in Schmelzen übergegangen. Hätte sich bei diesen Stücken die Temperatur noch gesteigert, so wären die Gefäße zunächst zusammengeklappt, um schließlich ganz in Fluß überzugehen. Wir finden auch tätlich unter den Scherben solche, die ,, deformiert", also sich im Feuer ,, gezogen" und zusammengeschmolzen sind; diese Stücke hatte eben der Töpfer damals als Ausschuß in seine Abraumgrube werfen müssen. Wir haben es, meiner Ansicht nach, bei diesen Scherben zwar mit Glasurspur, aber zunächst ,, unbeabsichtigter Eigenglasur" zu tun. Ich gebe zu, daß die Töpfer damals vielleicht auf solche Ergebnisse hin absichtlich höher brannten, also die Gefäße mit ihrer ,, Selbst- oder Eigenglasur" überziehen ließen; trotzdem dies abzupassen, technisch eine sehr gewagte Sache ist. Die viel einfacher herzustellende Bleiglasur, welche im Mittelalter die älteste und beliebteste war, fand sich bei diesen Scherben nicht vor.
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