Heft 
(1922) 31
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Kleine Mitteilungen

bei mir zu Besuche weilte, machte ich ihn auf dieses in das märkische Bauerndeutsch unserer Gegend eingedrungene offenbar wendische Wort aufmerksam und fragte nach Ableitung und Bedeutung. Perkonig stellte fest, daß das Kärntner Windische das Wort, das sich dort kapice" schreiben müßte, nicht kennt. Er möchte es zu dem kärntner- windischen ,, kupse", was einfach Haufen heißt, setzen. Auch in Kärnten wird das getrocknete Gras auf der geschnittenen Wiese vor dem Abfahren kugel­förmig gehäuft: Diese Kugeln heißen dort icpe", ein Wort, was nur in diesem Sinne gebraucht wird. W. Scheuermann.

Eresus cinaberinus. Diese prachtvolle südländische Tigerspinne, von der im vorletzten Hefte der Brandenburgia" die Rede war, ist, wie ich inzwischen festgestellt habe, auf dem besten Wege, in meiner Gegend die Verbreitung zu erlangen, die der Sammler mit dem Ausdruck ,, nicht selten" bezeichnet. Ein zweites Stück ist noch im Jahre 1920 dicht bei Freienbrink gefangen worden, und zwar Ende September, bei ziemlich kühlen Wetter, unter einem Pilz. Zwei weitere Stücke sind im vorigen Jahre im Monat September aufgetreten, nachdem ich bis dahin trotz großer Aufmerksamkeit das Tier nicht wiedergefunden hatte. Beides sind Weibchen, noch ein wenig stärker als das im vergangenen Jahre zuerst gefangene Stück. Einem wurde die Freiheit belassen, damit sich der farbenschöne Gast weiter zu einem Schmuck der märkischen Fauna entwickeln kann. Das andere wurde lebend beobachtet. Auch dieses baute sich, wie es schon bei dem zuerst beobachteten den Anschein hatte und wie nun fest steht, ein kleines, in Sandfurchen, Moosgezweig und Winkel seines Käfigs verstecktes Hilfsnetz, in der es seine Beute fing; diese wird also nicht freihändig" überfallen, wie von den an Mauerflächen jagenden Tigerspinnen der Gattung Attus. Beide vor­jährigen Stücke wurden unter trockenem Moos in zwei benachbarten Jagen westlich von Freienbrink gefunden.

Freienbrink.

W. Scheuermann.

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Püngeljude. In einem der letzten Brandenburgiahefte( Jahrg. XXIX 1920 S. 44) findet sich in der Schulenburgschen Arbeit über ,, Kinderschreck" das Wort Pungeljuden". Ich kenne das Wort nur in der Form Püngeljuden". Püngel Bündel. Püngeljude ist der Jude, der mit dem Bündel auf dem Rücken umherläuft, um seine Waren zu verkaufen. Dr. Teuchert schreibt mir auf meine Anfrage:" Pungeljude muß ein Schreibfehler sein", v. Schulenburg dagegen: Ich habe das Wort so geschrieben, wie ich es gehört habe." Der Mummenjude" heißt im Teltow Mummeljude". ,, Roggenmüne"," Korn­miene" und Roggenmiene" sind in meinem Heimatsort Waßmannsdorf un­bekannt. Dagegen wurde ernst gewarnt vor der Roggenmiere". Miere ist. im Volksmunde die Ameise. Ich glaube, daß man als Roggenmiere" die Maulwurfsgrille oder Werre im Auge hatte, bekanntlich ein Tier, vor dem sich seiner scheußlichen Gestalt wegen auch Leute fürchten, die nicht vor jedem Käfer erschrecken. Von der Werre, auch Gerstenwurm" genannt, erzählt man sich, daß, wer ihr den Kopf abbeiße, niemals Zahnschmerzen bekomme. Dr. Teuchert ist der Meinung, daß Roggenmiere" nur völlig entstellt sein kann. Der Amtmann in den Schoten" erinnert mich an das Spiel- Verschen:

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