Heft 
(1923) 32
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zeitig eine Verlängerung des Schädels bedingt. Auch die Kürze des Ge­sichts im Verhältnis zum Hirnschädel ist in Jugendmerkmal. Während die Kiefer bei anderen Rindern zu erheblicheren Längen auswachsen, bleiben sie bei dem Torfrind auf dem Jugendstande.

Ferner ist als Jugendmerkmal anzusehen der stark gebogene Unterkie­fer, dessen Biegung besonders stark beim Wendenrind ist, bei welchem auch der Vorderrand des Ramus mandibulae steiler aufsteigt als bei der anderen, auf noch etwas höherer Altersstufe stehengebliebenen Gruppe.( Fig. 4 u. 11.) In die Reihe der Jugendmerkmale gehört sodann das in bezug auf das tuberculum pubicum auf dem Jugendstande der Entwickelung stehengebliebene Becken( Fig. 12), sowie auch die geringe Größe des Torfrindes, auf welche aus der Kleinheit und Zierlichkeit der Extremitätenknochen zu schließen ist. Endlich sind auch Zeichen von Kümmerung die verschiedenen Löcher und Zusammenhangstrennungen im Verlauf der Nähte des Schädels.

Wir dürfen somit das Torfrind lediglich als eine Kümmerform der Ras­sengruppe der Longifrons- Rinder ansehen, die unter Beibehaltung jugendlicher Merkmale geschlechtsreif geworden ist( Hilzheimer, Literaturv. 18), und, da bisher außer dem Ur kein anderes taurines Wildrind bekannt geworden ist, auch vom Ur ableiten.( Duerst, Siegfried, Nehring, Hilzheimer, Hittcher).

Gegen die Ableitung des Torfrindes vom Ur spricht, wie ich im Vor­stehenden ausgeführt habe, durchaus nicht der wegen des Unterschiedes in der Schädelgestaltung erhobene Einwand Rütimeyers und anderer. Denn beim Rinde müssen wir, wie Hilzheimer hervorhebt, bei einer anderen Schädelge­stalt nach den anatomischen Ursachen suchen, um ihre rassengeschichtliche Bedeutung würdigen zu können, da die eigentliche Hirnkapsel nur einen ganz geringen Teil des Schädels einnimmt, bezw. die Konturen des Schädels durch­aus nicht mit den Konturen der Hirnkapsel übereinstimmen. Sodann macht Hilzheimer( Literaturv. 18, pag. 77) darauf aufmerksam, daß wir uns die Stirn des Urs nicht stets als eben und die Zwischenhornlinie nicht stets als gerade vorstellen dürfen, sondern daß die Stirn zwischen den Augen nicht nur eingesenkt, sondern diese Einsenkung außerordentlich tief sein kann. Die bei den Langstirnrindern sich findende Einsenkung der Stirn zwischen den Orbitae kann also nicht als eine sie vor dem Ur auszeichnende Eigentüm­lichkeit angesehen werden. Die Bedeutungslosigkeit dieses auffallenden Merk­mals wird klar durch die Ausführungen Hilzheimers über die Bildung der sinus frontales. Ferner weist Hilzheimer darauf hin, daß die Stirn beim Ur unterhalb der Zwischenhornlinie zwischen den Hörnern konkav vorgewölbt sein, und daß die Mitte der Zwischenhornlinie dann noch stärker nach vorn vorspringen kann.

Als Letztes will ich nun noch die Geschlechtsunterschiede der Torfrind­schädel zusammenfassen: Die Bullen- und Ochsenschädel zeigen eine breitere und gewölbtere Stirn als die Kuhschädel, für welche außer den anderen Merk­malen besonders die rechteckige Form der Orbita charakteristisch ist.

Die Hornzapfen der Ochsenschädel sind langgestielt im Gegensatz zu den Bullen- und Kuhschädeln, bei denen die Hornzapfen ungestielt sind.

Ferner sehen wir beim Vergleich der Schädelmaße, daß in Ueberein­stimmung mit den Ausführungen Laurers( Literaturv. No. 27) auch bei Torf­rindschädeln die Stirnbreite, sowie die Stirnenge bei Bullen am größten, bei Ochsen kleiner, bei Kühen am kleinsten ist, daß aber die vordere Zwischen­