Heft 
(1923) 32
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keller unterhalten. 10) Das einheimische Berliner Gebräu scheint sich nicht sehr großer Beliebtheit erfreut zu haben; z. B. berichtet Paul Marperger) noch im Jahre 1716: Insgemein von dem Berlinischen Biere zu reden, ob es zwar nicht ungeschmackt noch ungesund ist, auch in Berlin wohl viererley Bier, als das so genannte Kupen-, dann das Stadt-, drittens das so genannte Frantzosen- Bier( welches die Frant­zösische(!) Flüchtlinge zu brauen angefangen, und auf leichte Tisch­Bier- Art herauskommt; Solchem auch will Schuld gegeben werden, als ob es mit Ochsen- Galle bitter und mit Sodt aus dem Schornstein schwarz­braun gemachet würde, wiewol es die meisten negiren) und endlich auch ein gutes gesundes, dem Breyhan 12) fast gleichendes Weiß- Bier zu haben; So werden doch auf vornehmen Tafeln die fremden Biere, als Bernauisch, Ruppinisch vorgezogen."

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Hier steht es an erster Stelle. Mit stolzem ,, Lokalpatriotismus berichtet dann auch Tobias Seiler, die Berliner hätten einmal versucht, gleichfalls dies Bier zu brauen und dazu Malz, Bärme, Wasser und Brauergesellen aus Bernau kommen lassen: Allein es ist Berlinisches Bier geworden und auch geblieben." In dieser Zeit mag und wie ich vermute, im Anschluß an jenes Vorkommnis die Reklameanek­dote entstanden sein, die Faßmann in dem Buche ,, Leben und Taten des allerdurchlauchtigsten und großmächtigsten Königs Friderici Wilhelmi" 18) sehr breit ausladend und dann kürzer Bekmann in der Historischen Beschreibung der Chur- und Mark Brandenburg 1751, Teil 1, S. 654 mitteilt: In der Stadt Bernau wird ein Bier gebrauet, welches ganz vorzüglich und besonders auch dadurch bekannt ist, daß es sich so sehr lange hält. Hiervon erzählt man sich folgende Geschichte: Ein Lehr­ling aus der Stadt müßte einst für seinen Herrn Bier holen. Auf dem Rückwege machte er einen dummen Streich, so daß er sich nicht ge­trauete, wieder zu Hause zu kommen. Er vergrub daher die Flasche, welche von Zinn war, sammt dem Biere in der Erde und ging unter die Soldaten. Er hielt sich hier brav und brachte es so weit, daß er Hauptmann wurde. In dieser Würde kehrte er nach vielen Jahren gen Bernau zurück und zeigte sich seinem früheren Lehrherrn. Der will nicht glauben, daß der Hauptmann sein entlaufener Lehrbursche sei, bis dieser den Umstand mit der vergrabenen Flasche erzählt, und letz­tere auch wieder aufgegraben wird. Dabei verwunderte man sich aber höchlich; denn das Bier war in allen den Jahren ganz wohl erhalten, und war einem Oel ähnlich und so wohlschmeckend, als wenn es ganz frisch gewesen wäre."

Und hatte schon 1650 der Frankfurter Prediger Martin Heinsius in seiner in lateinischen Hexametern abgefaßten Totenklage14) um seinen

10) Urkunde vom 6 Juli 1602 mit der Wiederbestätigung des Privilegs von 1575, abgedruckt bei Küster, Altes und Neues Berlin, Bd. 4( 1769), Spalte 319 ff. Vgl. anch Klöden bei Gropius, Beiträge zur Geschichte Berlins 1840, S. 6.

11) Vollständiges Küch- und Keller- Dictionarium. Hamburg 1716, S. 105.

12) Dies Bier stammte aus Halberstadt und hieß so nach dem Erfinder Conrad Broihan. Das Berliner Weiß-( Weitzen) bier ähnelte ihm.

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13) Hamburg und Breslau 1735. 14) Bolte a. a. O. S. 65, doch auch schon in Frischs Schulspiel,( vgl. S. 45 oben), Anm. v. Fischer, S. 55 und Bekmanna. a. O. 652: Praeclarae quot sunt urbes, queis displicet ipsa, Quam sibi conficiunt, cerevisia vestra probatur.