Heft 
(1923) 32
Seite
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Auch in J. L. Frischs Schulspiel von der Unsauberkeit der fal­schen Dicht- und Reimkunst 1700( herausg. von Dr. L. H. Fischer, Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins 26, S. 24) wird auf ein Lied zum Preise des Bernauer Biers angespielt, doch nur die erste Zeile mitgeteilt: Edler Nektar, Ceres- Safft. Alles Uebrige scheint ver­loren zu sein.

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Daß aber die Hussiten bei der Belagerung Bernaus im Jahre 1432 außer durch den heißen Brei auch noch durch den Genuß von Ber­nauer Bier, das ihnen die Bürger in großen Fässern in richtiger Ah­nung vor die Tore gerollt hatten, besiegt worden seien, ist gewiß eine dichterische Erfindung, die zuletzt noch Rudolf Lorenz in seinem hübschen Volksschauspiel Die Hussiten vor Bernau"( 1911) wirkungs­voll verwendet hat, die aber von der Volkssage nicht berichtet wird. Schon ihr erster Aufzeichner Kuhn23) weiß nichts davon und keiner der folgenden Sammler, z. B. Rudolf Schmidt.24) Ich finde als älteste Quelle dafür das Bernauer Hussitenlied" von R. Böhme und Die Hussiten vor Bernau" von Dr. E. Jacobsen, zwei hübsche Scherzgedichte im Bänkelsängerton im Bär" 4( 1878), S. 225-226.

Doch auch das Bernauer Bier hatte keinen dauernden Ruhm. Schon in den Zeiten, da es noch allgemein gelobt wurde, mußte es an­deren Arten langsam Platz machen, und es sind durchaus nicht Neider, die es nicht mehr so hoch einschätzen. Mir will scheinen, als ob jene Reklameanekdote und Bekmanns Gedicht noch einmal eindringlich den alten Ruhm wachhalten wollten; denn 1711 steht es im Verbrauch frem­der Biere in Berlin weit hinter dem Ruppiner zurück und wird nach 1716 und 1720 yom Krossener geschlagen. 25) Das lag, wie Seiler klagt, daran, daß man nicht mehr bei der alten soliden Brauart verblieben. Und gegen Ende des Jahr­sondern neuerungssüchtig geworden war. hunderts stellt Oelrichs fest: Zur jetzigen Zeit ist aber das Bier zu Bernau von einer sehr schlechten Beschaffenheit und kommt gegen den ehemaligen Ruhm desselben in gar keinen Vergleich." 26) Lessings Freund Nicolai mit seinem späten Lobe nicht mehr viel Freunde dafür werben: Die Stadt ist wegen des guten Bieres, welches verfahren wird, berühmt" 27), und trotz dieser verlockenden Aussicht wird es den damaligen Reisenden gewiß nicht mehr vorgekommen sein, was ein Postillon in seinem Fahrberichte vermerkte, wie er ihn in den Zei­ten des ersten Preußenkönigs zu liefern hatte, daß nämlich die Herren Passagiere in Bernau sich wegen des guten Märzbieres eine halbe Stunde länger verweilt." 28) Die glücklichen Zeiten für das Bernauer Bier waren endgültig vorbei.

23) Märkische Sagen Nr. 168.

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Da konnte

24) Märkisches Sagenbuch, 3. Aufl., Charlottenburg o. J., S. 16 und noch jüngst im 3. Hefte des 2. Jhrg. seiner 1922 eingegangenen Zeitschrift Brandenburg" S. 41. Zu dem Geschichtlichen vergleiche Kügler, Hohenzollernsagen, Leipzig- Gohlis, Eich­blatt- Verlag 1922, S 67 und Anm. S. 139.

25) Fidicin, Histor.- dipl. Beiträge zur Gesch. Berlins 1842, Bd. 5, S. 519.

26) Histor.- polit. Beiträge 1781, S. 235. Vgl. auch A. Wernicke, Bernauer Stadt­chronik 1894, S. 297-306, ein Buch, das leider nur in der sehr beschränkten Anzahl von 110 Stücken gedruckt und so allgemeinrrer Verwertung beinahe völlig entzogen ist. 27) Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, 3. Auflage 1786, Bd. 3, S. 1084.

28) Stephan, Gesch. der preußischen Post, Berlin 1859, S. 134.