Heft 
(1923) 32
Seite
49
Einzelbild herunterladen

- 49-

-

einer so fesselnd und geistreich geschrieben wie der andere, nehmen den Charakter der Reichshauptstadt und seiner Bewohner offenherzig und teilweise schonungslos aufs Korn. Nicht blind gegen Fehler und Schattenseiten, ver­raten alle zugleich doch warme Liebe und Bewunderung für die Lichtseiten und die Leistungen der Weltstadt, die den Verfassern zumeist zur zweiten. Heimat geworden ist.( Dr. A. Grabowsky: Berlin. Ministerialdirektor Dr. Karl Scheffler: Die Bestimmung Ber­Brecht: Berlin als Reichshauptstadt.

lins. Dr. Mario Krammer: Aufgabe und Ursprung des modernen Berlin. Georg Hirsch­Dr. Theodor Heuß: Berlin und das föderalistische Problem. Prof. feld: Bayern und Berlin. Hans Ostwald: Der Typus des Berliners. Dr. Dessoir: Berlin und seine Universität. Paul Westheim: Berlin, die Stadt der Künstler). Ehrenvoll für Berlin ist allein schon die Uebereinstimmung in dem Ergebnis, daß unter allen deutschen Städten Berlin als Reichshaupt­stadt einzig und allein in Betracht kommen kann. Bezüglich der Entstehung Berlins und der Beurteilung seiner Umgebung haben sich auch in diese neu­esten Arbeiten wieder zwei weit verbreitete Irrtümer eingeschlichen, die selbst durch jahrelange Arbeit der, Brandenburgia" und des Vereins für die Ge­schichte Berlins" noch nicht ausgetilgt werden konnten. Man darf auf keinen Fall als Tatsache hinstellen wollen, daß die Stadt Berlin aus einem wendi­schen Fischerdorfe entstanden sei. Für Alt- Kölln, die eine der Schwester­Alt- Berlin kann städte, aus denen Berlin erwachsen ist, mag das zutreffen.

-

وو

-

"

"

Beide

nur soweit wir überhaupt in diese Dämmerung des 13. Jahrhunderts hin­einzuleuchten vermögen aus einem deutschen Dorfe, wenn nicht aus zwei deutschen Dörfern( Berlin und Wedding) entstanden sein. Das beweist mei­Und die Umgebung ner Ansicht nach allein schon die Hufenfeldmark. Der Boden der Barnim- und Berlins ist nicht arm und nie arm gewesen. Die Begriffe Sand und Teltowhochfläche ist fruchtbarer Geschiebelehm. Sumpf" haben allenfalls für den schmalen Streifen der Spreetalrinne Berechtigung. Wohl darf sich der Ackerboden der Mark nicht mit der Schwarzerde der Mag­Arm ist aber deburger Börde oder dem Boden der Wetterau vergleichen. weder der märkische Adel noch der märkische Bauer je gewesen. hielten gerade die goldene Mittelstraße zwischen Armut und Luxus inne. In die Notwendigkeiten der heutigen Zeit werden sich beide, starknervig und wenig anspruchsvoll, am ehesten finden, wie auch alle Berliner, die demselben Boden ent­stammen. Interessant sind die Ausführungen über die Zusammensetzung der Berli­ner Bewohner und damit die Erklärung für den Typus des Berliners". Da Allgemein werden unterschie­treffen fast alle Ausführungen ins Schwarze. den: 1. Urberliner in geringer Zahl. 2. Märker aus der Umgebung. 3. Deutsche aller Stämme. 4. Franzosen( Réfugiés, Emigranten), deren Verdienste für Berlins Entwicklung volle Anerkennung finden. 5. Juden. Erscheinung: Russen". Ein Hexenkessel oder, wenn das höflicher klingt, ein Zauberkessel, in dem Rassenbrei gerührt wird,"( Grabowsky). Die Ver­Ihnen ist Berlin die zweite Hei­fasser gehören zumeist der 3. Gruppe an. mat( ,, die Türme, Plätze nnd Bäume unserer Vaterstadt im Herzen" Brecht). Ich gehöre zur 2. Gruppe. In die schönen Sommerabende des Teltowdörf­chens meiner Kindheit leuchtete am nördlichen Himmel der Schein dor tausend Flammen Berlins. Naturgemäß ist der Märker von Jugend auf mit der Um so schöner, daß Hauptstadt enger verwachsen als der Reichsdeutsche. ein Reichsdeutscher sagt, daß ,, Berlin trotz allen Verrufs allem guten Deutschen

6. Als neueste