Heft 
(1923) 32
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Von Dr. Rudolf Korb:

Naturschutz.

Sammlung gemeinnütziger Vorträge, herausgegeben vom Deutschen Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse in Prag.

Doppelheft 502/503, Prag 1921. Preis 1,20 Kr.

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Verstärkt durch die allgemeine Landesnot wagt sich der rück­sichtslose Erwerbssinn erneut an die Zerstörung unserer Heimat. Die Abholzung der Wälder, die Regulierung der Wildbäche und Flüsse, die Ausnutzung der Wasserkräfte durch Anlage elektrischer Werke, die Kanalisierung der Ströme, die Anlagen zur Förderung des Bergbaues, der Straßen- und Eisenbahnbau, die Errichtung von Ueberlandzentra­len, die Flurbereinigung, die Urbarmachung der Moore, die Eröffnung von Steinbrüchen müssen wir zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen hinnehmen, aber wir lehnen es ab, daß diese Zerstörungen des Land­schaftsbildes nur zugunsten weniger Privatinteressen und unter Außer­achtlassung jeder Wiederherstellung erfolgen. Wir lehnen auch jede aufdringliche Erschließung der sogenannten Naturschönheiten ab, die zumeist mit dem Verluste ihrer intimen Stimmung, aber mit der bösen Was Zugabe von Stullenpapier und wüster Reklame verbunden ist. wird nicht alles unter dem Deckmantel der Volkswohlfahrt man denke an die Abholzungen in der Nähe Berlins!- gesündigt! Es ist gewiß angebracht, auf die Gefahren hinzuweisen, die auf deutscher Erde um­gehen, um das letzte Bollwerk unseres Volkes niederzureißen, die Hei­mat zu zerstören und die Bewohner gleichgültig gegen das Land zu machen, das sie geboren. U. M. Hofrat Rudolf Korb, einer der ersten Vorkämpfer für Naturschutz, der Hauptträger dieser Bestrebungen im alten Oesterreich und Schöpfer des prächtigen Gottesgartens in Zöẞ­itz, eines der frühesten Naturgebiete auf deutschem Boden, erhebt wieder seine Stimme, um auf die Gefahren für die Grundlagen unseres Volkstums aufmerksam zu machen. In temperamentvoller We se schil­dert er die offenen und versteckten Sünden gegen die Heimat, gegen die ungezügelte Erwerbsgier, gegen die Gleichgültigkeit vieler Kreise, gegen die Auswüchse des Industriealismus und die Abwege einer rein äußerlichen formalen Kunst. Die zahlreichen Beispiele der Verheerung in Deutschland und Oesterreich sind überzeugend, aber er zeigt auch die Wege zur Besserung, die von den namhaft gemachten Vereinigun­gen, der reichen Literatur, den Führern des Natur- und Heimatschut­zes und den in verschiedenen Ländern erlassenen Gesetzen und Ver­ordnungen gegen den Raubbau in unserem Mutterlande beschritten worden sind. In einem uns entfremdeten Lande geschrieben und ge­druckt, behandelt der Verfasser breit die Verhältnisse in den deutschen Volksgebieten, geht aber oft darüber hinaus und gibt uns Hoffnung, daß die Bestrebungen auf Zerstörung der Natur nicht durchdringen werden, wenn die Völker den Wahnsinn dieser Selbstvernichtung erkennen. Und dazu ist das Schriftchen, das ein Zeugnis für die Regsamkeit unserer Landsleute in Böhmen ist, und das sich so leicht wie kein andres zur Propaganda eignet, infolge des überaus geringen Preises eine wertvolle Handhabe.

Prof. R. Mielke.