Heft 
(1924) 33
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Brandenburgia hatte Friedel mit gleichstrebenden Bekannten, zu denen unser W. Geh. Reg.- Rat Reinhardt, Hermann Maurer und der verstorbene Dr. Bolle gehörten, solche kleine Exkursionen veranstaltet. Sie fanden gelegentlich statt; jetzt aber wurden sie zu einer ständigen Einrichtung, die in der Regel monatlich zweimaloft auch häufiger und selbst im Winter durchgeführt wurden und die durch die Teilnahme von Archaeologen, Volksforschern, Geschichtskundigen, Naturforschern, Geographen, Geologen und anderen Vertretern der Wissenschaft nicht nur allen Beteiligten starken Gewinn brachten, die nicht nur manche alte Streitfrage aufhellten, sondern auch in der Regel mit einer Ver­mehrung der Sammlungen endeten. Wohl kaum eine hat stattgefunden, bei der nicht ein bemerkenswertes Ergebnis zu buchen war: das Auf­finden einer vorgeschichtlichen Siedlung oder eines Urnenfeldes, die Feststellung einer neuen Kirche mit Rundmarken, die Beobachtung einer bemerkenswerten Pflanze oder eines Tieres, die Klarstellung irgend eines geschichtlichen Ereignisses, die Entdeckung eines vergessenen und Denkmals oder etwas anderes. Und wie wurde dabei geforscht eingeheimst! Selbst unter den schwierigsten Verhältnissen, bei Regen, Sturm, Schneegestöber, oder bei brennender Julihitze! So waren wir einmal bei einem schneidenden Ostwind 9 Grad Kälte! im Osten, um einen neugefundenen großen Findling in Augenschein zu nehmen, den wir freilich nicht einpacken, sondern nur photographieren konnten. Ein anderes Mal entdeckte Friedel im Osthavellande einen schweren Granitstein mit Windschliffen, den mitzunehmen nur möglich war, wenn immer zwei Mann auch Friedel beteiligte sich daran den Stein trugen. Er ist richtig an das Museum abgeliefert worden. Friedel war dabei unermüdlich. Stundenlang wanderte er noch in seinem hohen Alter mit hinaus, ohne Rücksicht auf Sturm und Regen zu nehmen, ohne auf die Zeit zu achten. Es war nicht selten, daß wir erst nach Mitternacht in Berlin anlangten und dann noch weite Wege bis zu unserem Heim zu machen hatten.

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Unser verstorbenes Mitglied Dr. Gustav Albrecht war der Geschichts­schreiber dieser Wanderungen. In den Monatsheften der Brandenburgia konnten nur die Ergebnisse einer solchen mittgeteilt werden; aber in der Frankfurter Oder- Zeitung, die einen besonderen Raum dafür vor­gesehen hatte, erschienen viele Jahre lang eingehende Schilderungen dieser Pflegschaftsfahrten, wie sie Friedel getauft hatte, aus Albrechts Feder. Auch damit begnügte sich Friedel nicht. Stets schrieb er noch einen langen Bericht über die Wahrnehmungen einer solchen Wande­rung, der in dem Archiv des Märkischen Museums niedergelegt wurde und eine Quelle für die Forschung ist, die vielleicht erst von späteren Geschlechtern voll gewürdigt werden kann. Bei besonders bemerkens­werten Stätten war auch immer ein photographierender Teilnehmer zur Hand, um eine Aufnahme für das Museum zu machen.

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Bald nach der Gründung der Brandenburgia setzten die Pfleg­schaftsfahrten ein, die die Mitglieder in die entlegensten Gebiete vereinzelt auch einmal darüber hinaus( Mecklenburg, Stade, Bautzen) führten. Ich selbst nahm zum ersten Male 1895 dann aber falls ich nicht gerade einmal verhindert war dauernd daran teil; sie endeten erst kurz vor dem Weltkriege. Dieser sowohl als auch die bei Friedel sich bemerkbar machenden Anzeichen des Alters ließen sie einschlafen. Nach seinem Tode hatte unser Mitglied Rektor Monke die Absicht sie weiter fortzuführen; sein Dahingang hat den Plan vereitelt. Sie ge­