Heft 
(1924) 33
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hören also der Vergangenheit an und es ist sehr die Frage, ob sie unter den heutigen veränderten Umständen noch zeitgemäß sind. Das eine aber läßt sich ohne Uebertreibung behaupten, daß ein erheblicher Teil der Sammlungsgegenstände des Märkischen Museums auf diesen Pfleg­schaftsfahrten nicht nur für die Wissenschaft entdeckt, sondern buch­stäblich von Friedel persönlich in das Museum geschleppt worden ist. In der Regel wurden sie nach den Fahrten von unserem Mitgliede Hermann Maurer und dem Verfasser, die beide in der Nähe Friedels wohnten, in seiner Wohnung abgeliefert, von wo aus er sie selbst in die Sammlung brachte.

Man macht Friedel und den Pflegschaftsfahrten den Vorwurf, daß sie die Provinz von vielen Altertümern entblößt hätten. Vom heutigen Standpunkte aus beurteilt, ist dieser Vorwurf z. B. gegenüber kirch­lichen Altertümern vielleicht berechtigt; vor zwei Jahrzehnten aber be­deutete die Ueberführung in ein Museum eine Rettung. Ortssammlungen gab es nur wenige; wären die Gegenstände aber länger vernachlässigt oder unbeachtet an ihrem Platze geblieben, dann würde manches Stück wohl unrettbar verloren gegangen sein. Wurde doch meinem Reise­genossen Dr. Gustav Albrecht und mir einmal in einem Dorfe der Prig­nitz berichtet, daß die Frau Pfarrer kurz vorher einen mittelalterlichen Altar an einen Althändler aus Frankfurt a/ M. verkauft habe, weil er zu katholisch" war! Das ist ein Beispiel, aber es spricht Bände. Wenn heute das Märkische Museum eine der bedeutendsten Samm­lungen Deutschlands geworden ist, dann dankt es dies in erster Linie seinem Schöpfer Ernst Friedel, in zweiter der Brandenburgia und der aus ihren Mitgliedern erwachsenen Pflegschaft. Soweit sie noch am Leben sind, werden auch sie des Jubiläumstages gedenken und sich wehmütig der Tage erinnern, an denen sie unter Friedels Führung so manche lehrreiche und genußreiche Fahrt in die Provinz machten. Und vielleicht auch manche der Persönlichkeiten, die uns einst freundlich in ihren Wirkungskreisen empfingen und ortskundige Führer waren, der Zeiten, in denen durch die Tätigkeit der Pflegschaft auch bei ihnen das Interesse für die Heimat und für das Heimatmuseum geweckt oder gestärkt wurde.

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