Heft 
(1924) 33
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uns die Berliner Bilder vor Augen führen. In diesen letzteren Räumen fallen vor allem die Pläne auf, die noch die Befestigung des Mittel­alters und dann die Festungsanlage des Großen Kurfürsten zeigen. Neben Stichen sind auch einige Gemälde des 19. Jahrhunderts, z. B. die von Gärtner( Spittelkirche, Königsbrücke und Hauptwache) von Hummel ( Lustgarten mit Granitschale), von Hintze und Skarbina sowie die Calau'schen, mit großer Genauigkeit gezeichneten Aquarelle zu nennen. Daneben besitzt das Museum eine weitere sehr reichhaltige Sammlung, die nicht ausgestellt werden kann, aber in ihren Mappen der wissen­schaftlichen Benutzung zugänglich gemacht wird. Uebrigens wird man nicht vergessen dürfen, die Fechtheim'schen Gemälde aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts im Chodowieckisaal heranzuziehen, sowie die Motive aus dem neueren Berlin im Vortragssaal. Das älteste Berlin hat dagegen einige spärliche Ueberreste aus Privatbauten beigesteuert, namentlich die in der Vorhalle verwendeten Konsolsteine aus dem Blankenfeld'schen Hause und eine gotische Türeinfassung aus der Gertraudtenstraße.

Die Bilder vom alten Berlin führen uns zwanglos zu der bildenden Kunst im allgemeinen. Das Märkische Museum ist kein Kunstmuseum, es werden daher die einzelnen Meister nicht mit allen ihren Erzeug­nissen im Zusammenhange ausgestellt, sondern so, wie sich ihre ein­zelnen Werke den nach anderen Gesichtspunkten eingerichteten Räumen einfügen. So werden wir Menzel'sche Stiche und Gemälde in den verschiedensten Räumen finden, und ähnlich wird es uns mit anderen Meistern gehen. Eine sehr lehrreiche und zugleich anmutige Ueber­sicht über die Entwicklung der Graphik in Berlin enthält der Raum 24, mit dem der vorhergehende Raum, der den Druckwerken gewidmet ist, in enger Verbindung steht. Dient doch in älterer Zeit die Graphik vor allem der Buchillustration. Die Blütezeit des Buchdrucks in Berlin war die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, die sehr eindrucksvoll ver­treten ist. Im Zusammenhang mit diesen Räumen wird man die zwei hervorragenden Berliner Meistern gewidmeten kleineren Zimmer be­In diesen trachten, die Schadow's und Chodowiecki's Namen tragen. Zimmern begegnen wir auch Rauch, Gilly, Gärtner und anderen Künstlern.

Einem besonderen Zweige der Berliner bildenden Kunst oder vielleicht richtiger dem Kunstgewerbe, den Erzeugnissen der Staatlichen Porzellanmanufaktur, ist ein eigenes Zimmer eingeräumt worden, in dem auch die Feilnersche Töpferei gut vertreten ist. Allerdings müssen wir eine zweite, künstlerisch noch höher stehende Sammlung in einem anderen Raume suchen, der die gesammte Kultur des Rokoko wider­spiegelt. Von hier ist der Weg zu den Erzeugnissen des Berliner Metall­gewerbes nicht weit, das unter anderen mit ausgezeichneten Erzeug­nissen der Zinngießerei, der Juwelierarbeit, der Uhrenfabrikation auf­warten kann. Dabei wird man übrigens das Innungszimmer mit seiner reichhaltigen Auswahl von Pokalen nicht vergessen dürfen. Die Klein­kunst der Dosen und Miniaturen hat im Rokokozimmer eine Stätte ge­funden. Mit diesem und dem Berliner Zimmer haben wir schon ein Gebiet betreten, das für dem Stadthistoriker von besonderem Interesse ist, das der inneren Einrichtung Berliner Häuser in früheren Jahr­hunderten. Von ihr erzählen auch die Werke der Ofenkeramik vom 15. bis zum 18. Jahrhundert, ein reizendes Gemälde Gärtners, das Werk­statt und Wohnstube eines Schlossers darstellt, schmiedeeiserne Gitter,