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wenn das Mittelalter in seinen Sammlungen, vergleicht man diese etwa mit den Schätzen entsprechender rheinischer Museen, einen dürftigen Eindruck macht; diese Armseligkeit ist durchaus ein Spiegel der märkischen Historie; man vergesse nicht, daß am Rhein die Geschichte bereits mit den Römern beginnt, daß die von ihnen gelegten kulturellen Grundlagen auch in den Stürmen der Völkerwanderung nicht ganz zerstört wurden, sodaß das deutsche Mittelalter vielfach auf ihnen weiterbauen konnte; im 11. Jahrhundert, als der Rhein auf eine Kulturgeschichte von mehr als 1000 Jahren zurückblickte, als an seinem Ufer die gewaltigen romanischen Dome der Salierzeit gebaut wurden, herrschten an Havel und Spree noch ungebrochen Wendentum und Heidentum. Und auch als unsere Provinz seit dem 12. Jahrhundert zu einem deutschen und christlichen Lande wurde, blieb sie doch, verglichen mit dem alten, von der Natur reicher gesegneten Westdeutschland, noch für lange Zeit ein minder begünstigtes Kolonialland mit ärmerer Kultur.
Nun aber einige Einzelheiten. Wir machten uns eingangs klar, was dem Geschichtsforscher alles als Quelle dienen kann, und wir wollen jetzt im Fluge überblicken, was das Märkische Museum ihm nach dieser Richtung zu bieten hat.
Zunächst die Ueberbleibsel. Es entspricht der überragenden Stellung, die die Kirche im Leben des Mittelalters einnahm, daß die dieser Zeit entstammenden märkischen Ueberbleibsel zu einem großen Teil der Ausstattung von Kirchen entstammen. Da sehen wir Kirchenglocken und Taufsteine, Altäre und Teile solcher, Statuen, die, wie die eines Bischofs, bis ins 14. Jahrhundert hinaufreichen, Kirchenleuchter, Abendmahlsgeräte und Messgewänder. Zeitlich noch weit früher, schon im 12. Jahrhundert sind die ältesten Waffen der Sammlung entstanden; Schwerter dieser Frühzeit werden einst von Wendenblut gerötet gewesen sein, als die Deutschen den Boden der Mark endgültig eroberten. Nicht viel später, im 13. Jahrhundert, setzt die reichhaltige Schlüsselsammlung ein. In ein dunkles Kapitel des Mittelalters weisen die Folterwerkzeuge zurück. Die ganze märkische Geschichte wird sodann durch eine prachtvolle Münzsammlung begleitet; sie hebt mit ihren Hacksilberfunden und mit den Wendenpfennigen des 11. Jahrhunderts schon vor der ostdeutschen Kolonisation an und führt uns dann von Albrecht dem Bären und seinen slavischen Zeitgenossen chronologisch durch die Zeiten der Askanier, der Wittelsbacher, der Luxemburger und schließlich der Hohenzollern bis zur Gegenwart hin. Den Münzen stehen die Siegelstempel nahe; ihre Reihe setzt mit einem Exemplar ein, das die Stadt Berlin schon im 13. Jahrhundert in Gebrauch genommen hat. Auch andere Erzeugnisse aus dauerhaftem Metall, wie Kannen und Mörser, Lampen und Zinnkrüge sind in mittelalterlichen Exemplaren gut vertreten.
Die überwiegende Bedeutung, die Landwirtschaft und Fischerei von jeher für die Mark hatten, wird durch historische Sammlungen der diesen Berufen dienenden Geräte erläutert.
Seit dem Uebergang zur neueren Zeit beginnen die Städte, an ihrer Spitze natürlich Berlin, stärker in den Vordergrund zu treten. Mit dem 15. Jahrhundert setzen die Erzeugnisse der Keramik, namentlich Ofenkacheln, ein; es folgen die schönen märkischen Gläser, die
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