Heft 
(1924) 33
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nach der Rückkehr die erhoffte Anerkennung vorenthalten, die näheren Gründe dafür entziehen sich noch unserer Kenntnis. Verbittert sagt er sich nunmehr von seinem Vaterlande los, und sein Bestreben ist, nachdem die Privilegien der ihm mißgünstigen Ostindischen Kompagnie aufs neue bestätigt worden sind, ihr im Auslande durch Begründung einer Das aber ist an­Konkurrenzgesellschaft Wettbewerb zu schaffen. gesichts der Verhältnisse in Holland selber nicht möglich, auch die Hilfe des Erbstatthalters Friedrich Heinrich von Oranien muß da versagen. Der Prinz verweist ihn vielmehr im Jahre 1647 an seinen Tochtermann, den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Es ist das ein eigen­artiger, mit dem Landesinteresse anscheinend nicht recht zu verein­barender Schritt des Statthalters, dessen Grund wir wohl in dem politischen Streben des Prinzen erblicken dürfen, durch einen Druck von außen auf seine Gegner einzuwirken. Voll von den frischen Ein­drücken, die Hollands Seemächtigkeit in ihm hervorgerufen, leiht nun der junge Kurfürst, der sich anschickt, sein hold Gemahl Luise Henriette nach der Mark zu geleiten, Gijsels Plänen ein williges Ohr; er läßt sich von dem Admiral eine eingehende Denkschrift über die Schiffahrt nach Ostindien vorlegen und findet die darin gemachten Vorschläge, nützlich, vernünftig und practicabel".

Gijsels weist in diesem Bericht auf die Möglichkeit hin, von Ost­preußen aus nach noch unbesetzten Ueberseegebieten Handel zu treiben, Waren von da vorteilhaft zu beziehen und mit Gewinn zu verkaufen. Er empfiehlt die Begründung einer Brandenburgisch­Ostindischen Kompagnie mit einem Kapital von einer Million Taler, unter Hinzuziehung einflußreicher Holländer, die wegen des Monopols der dortigen Kompagnie in ihrer Erwerbstätigkeit beschränkt, gern dem Pillau sollte zum Rufe Kurbrandenburgs Gehör schenken würden.

Haupthafen gemacht und dort eine große Werft angelegt werden. Ursache, die preußischen Häfen dafür auszuersehen, ist der Verlust von Stettin und den Odermündungen im Westfälischen Frieden( 1648), Küstenteile, für deren Erwerb der Fürst sein ganzes Können, wiewohl vergeblich, eingesetzt hatte.

Nun in den Diensten Kurbrandenburgs steht Gijsels seinem Herrn bei der Anbahnung seiner maritimen und kolonialen Pläne mit reicher seemännischer Erfahrung und technischem Wissen zur Seite. Daß er sich damit den Rückzug in die Heimat selber verlegt, ist ihm nicht unbewußt. Leider bleibt es hinsichtlich der Kompagniegründung bei dem Plan; denn die Nachwehen des furchtbaren Krieges hallen noch zu stark in den Gemütern nach, als daß die ängstlichen Kaufmanns­seelen zu Königsberg zu so weitausschauenden Unternehmungen sich hätten aufschwingen können.

War somit Gijsels weitblickenden Plänen auch kein unmittelbarer Erfolg beschieden, so ist seine Tätigkeit aber doch als vorbereitend anzusehen für Geschehnisse auf dem Marinegebiet, wie die Teilnahme brandenburgischer Schiffe an dem polnisch- schwedischen Kriege( 1655-60) ( Oberst v. Hille) und im Schwedenkriege 1675-79.

Mit der Uebersiedlung nach der Mark ward Gijsels vom Kurfürsten zum Geheimen Rat ernannt; er erhielt die Burg Lenzen a. E. geschenkt und das durch die dortige Zollstation wichtige Amt Lenzen gegen mäßigen Zins in Erbpacht. Hier nun nahm Gijsels im Jahre 1650, damals Witwer, mit seiner Tochter Clara seinen Wohnsitz und ent­