Heft 
(1924) 33
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Eine

Ein geologischer Ausflug in die Umgebung

des Müggelsees

Von Prof. Dr. F. SOLGER

ines der lehrreichsten Gebiete, das die Umgegend Berlins für einen geologischen Ausflug bietet, ist das Gelände zwischen Grünau und Woltersdorf. Sein besonderer Vorzug liegt darin, daß wir hier aus wirklich beobachtbaren Anhaltspunkten ein leidlich anschauliches Bild von den Vorgängen erhalten können, die sich seit dem Ende der Eiszeit zugetragen haben, und daß die Höhe der Berge zugleich Ge­legenheit gibt, einen Gesamteindruck von dem besuchten Gelände zu gewinnen.

Wir lassen uns von Grünau aus nach der Kolonie Wendenschloß übersetzen und folgen der Straße quer durch den Ort hindurch nach Osten. Schon nach wenigen Minuten führt sie über eine schmale Moor­wiese, deren schlauchförmig gewundene Gestalt unsre Aufmerksamkeit auf sich zieht, unwillkürlich erweckt sie den Gedanken an ein Flußbett, und so werden wir sie auch geologisch deuten müssen. In starken Windungen schlängelt sich der Wiesenstreifen in gleich bleibender Breite von vielleicht 30 m am Ostrand der Kolonie entlang vom Langen See nordwärts bis an die sog. Neuen Wiesen, in denen er sich rasch ver­Von dem Fluß, der breitert und unregelmäßige Formen annimmt.

hier einmal geflossen sein muß, ist nichts mehr vorhanden als sein Bett. Die Ausfüllung mit Moor zeigt, daß seit undenklichen Zeiten dieser Weg nicht mehr von fließendem Wasser ausgewaschen worden ist. Erst ein künstlicher Graben hat ihn neuerdings entwässert, und aus dessen schwacher Strömung erkennen wir, daß das Gefälle von Norden nach Süden gerichtet ist. Wann ist der Fluß geflossen, der hier einmal dies Bett eingrub? In der ganzen Humuszeit können wir das nicht vermuten, sonst müßten wir es auch heute noch erwarten, da die Geländebedingungen und die klimatischen Voraussetzungen sich während der Humuszeit nicht wesentlich geändert haben. Auch in der Dünenzeit sehen wir keinen Grund ein, weshalb damals Wasser an einer Stelle geflossen sein sollte, für die es heute trotz der reicheren Niederschläge nicht mehr verfügbar ist. So kommen wir denn unmittel­bar auf die Abschmelzzeit des Eises der Eiszeit. Aber das widerspricht den uns seit Jahrzehnten gewohnt gewordenen Anschauungen, nach denen das ganze weite Tal vom Teltowrande südlich von Grünau bis zum Rande des Barnim nördlich von Friedrichshagen das Bett der ehe­maligen Schmelzwässer sein soll. Wir wollen also schrittweise in unseren Schlüssen vorgehen, aber uns freilich nicht durch eine vorgefasste Meinung in den Folgerungen irre machen lassen, zu denen uns unsere Beobachtungen zwingen.

Wie sah das Gelände aus, als hier ein Fluß bestand? Die Neuen Wiesen" mit ihren unregelmäßigen Umrißformen bezeichnen sicher nicht ein Flußbett. Der Fluß strömte also erst von ihren Südende weiter nach Süden. In der Niederung, in der heute die