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Am 1. November 1913, gegen Abend, wollte der Nachtwächter Johann Hohensee am Fuße des Sandberges hinter dem Gemeindehause, 42 m von der Straße entfernt, nach Sand graben. Schon beim ersten Spatenstiche stieß er auf Scherben und benachrichtigte sofort den als Sammler in der Gegend bekannten Georg Hinze in Friesack. Der Nachtwächter selber war„ ein Stück Naturforscher" und so kam es, daß dieser wichtige Fund wenigstens einem Interessierten in die Hände fiel. Am nächsten Tage, einem Sonntage, wurde dann von beiden Genannten der Fund gehoben, wozu dann etwas später noch die beiden Lehrer, Herr Fehts aus Warsow und Herr Flittner aus dem nahen Vietznitz kamen. Gefunden wurden an dem Tage die beiden Kugelamphoren und das große Beigefäß, alle 3 aufrecht nebeneinanderstehend und nur das Beigefäß durch den ersten Spatenstich zertrümmert. Daneben lagen die beiden Meißel( Fig. 4 u. 5.) und ein Feuersteinmesser von 6-7 cm Länge. Dieses Messer befindet sich heute nicht mehr beim Funde, der im Märkischen Museum unter den Nummern 25216-25226 steht. Ungefähr 1-11, m abseits nach der Straße zu, in ungefähr gleicher Tiefenlage, lag dann der Reibstein ( Fig. 8). Hier ist dann auch bei neuerlicher Nachgrabung, eine Woche später, das Felsgesteinbeil( Fig. 7) entdeckt worden. Nun enthält heute der Fund außerdem noch eine Anzahl Knochen und Scherben neben einem schönen Feuersteinbeilchen( Fig. 6). Nach Angabe meines Gewährsmannes haben diese nicht beim Funde gelegen und er kann sich auch nicht darauf besinnen. Ich werde später noch auf diese Dinge zurückkommen. Irgendwelche Spuren einer Grabsetzung wurden nicht bemerkt, weder eine Grabkammer in Form eines Steinplattengrabes ( wie sie bei K. A. häufig vorkommt), noch eine Färbung des Bodens, die auf Größenverhältnisse eines Schachtgrabes Schlüsse zugelassen hätte. Ich habe selbst die Stelle besichtigt. Sie liegt trotz der Nähe der Straße heute noch so da, wie man sie nach der Grabung verlassen hat, und nichts war mehr festzustellen. Auch enthielten die Urnen keine Leichenbrandreste oder waren auch nur Spuren einer Skelettbestattung zu sehen. Die Tiefenlage war etwa 20-30 cm unter der heutigen Oberfläche. So weit der Bericht meines Gewährsmannes.
Jetzt möchte ich erst das Augenmerk auf die geologischen und geographischen Verhältnisse lenken. Warsow liegt am Ostrande des Ländchens Friesack, also jenes Erdfleckens, der sich wie eine Insel aus dem grünen Wiesenlande, dem Luch, heraushebt, Der Boden ist eiszeitliches Erzeugnis. Geschiebemergel und Lehm machen die„ Insel" im östlichen Teile zu einem fruchtbaren Fleckchen Erde. Etwas anders sieht es nun an den Rändern der„ Insel" aus. Hier ist nur ein etwa 30-50 cm dicker Mantel von Geschiebelehm dem geschichteten, kiesigen Sande aufgelagert. Der ganze Ostrand aber ist bedeckt mit feinem Dünensande, der einst mehrere Meter hoch gelegen haben muß. Deshalb ist dieser Ostrand heute auch stark mit Kiefernwald besetzt. Für jeden Kenner vorgeschichtlicher Siedlungen lag es klar auf der Hand, daß hier dem Menschen vor mehreren 1000 Jahren ein äußerst günstiges Siedlungsland geboten war. Ich hatte mir schon nach einem Blick auf die Karte vorgenommen, auch den weiteren Rand noch einer Untersuchung zu würdigen. Heute verläuft die Straße WagenitzWarsow Friesack unmittelbar am Höhenrande entlang, fast jedem Hügel ausweichend, also jeden Bogen mitmachend. Seit Jahren schon aber fahren die Bauern den Dünensand ins Luch zur Verbesserung