Heft 
(1924) 33
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der sauren Wiesen und in Warsow ist dabei vor allem auch das Gut Briesen beteiligt. Auf diese Weise ist dann auch das heutige Planum" geschaffen worden und der Fund ans Tageslicht gekommen. Nach meiner Schätzung an den Planumrändern muß er ursprünglich 11-2 m unter der Oberfläche gelegen haben. Ob allerdings schon zur jüngeren Steinzeit die Dünensandbedeckung so hoch gewesen ist, entzieht sich meiner Schätzung. Jedenfalls hat früher kein Wald auf dem Ostabhange gestanden, wie die zahlreichen Scherbenfunde beweisen, die sowohl Herr Fehts mit seinen Kindern, als auch ich dort gemacht haben. Doch davon später. Wenn bei der Hebung auch keinerlei Spuren eines Grabes entdeckt worden sind, so kann man den Fund doch kaum anders deuten. Ich möchte sogar die Auffassung vertreten, daß hier eine Skelettbestattung vorliegt. Kalzinierte Knochen, wie Leichenbrand, hätten sich wahrscheinlich erhalten. Und wenn es zutrifft, daß das Granitbeil und der Reibstein 1-11, m von den Gefäßen entfernt lagen, so sprechen auch die Ausmaße der Grube für diese Annahme. Schließlich möchte ich auch auf das Beispiel von Mützlitz( Westhavel­land), das ja nicht allzuweit entfernt ist, hinweisen, bei dem ja noch die Aehnlichkeit dadurch erhöht wird, daß die kleinere K. A. von Mützlitz in Typus und Verzierungsweise den Warsowern sehr ähnlich ist. Auch die Amphore von Brandenburg a. H. kann als Vergleichsobjekt dienen.

Doch lassen wir jetzt den Fund selbst sprechen. Durch die beiden Kugelflaschen wird die Zahl der havelländischen Funde gut vermehrt. Es ist nur schade, daß bei der Hebung keine Fachleute zugegen waren, denn das tut zur richtigen Erkenntnis wirklich einmal not. Zunächst also Fig. 1. Die Kugelflasche ist fast vollständig erhalten, jedenfalls so, daß man wichtige Schlüsse ziehen kann, Der Hals ist nicht ganz zylindrisch, sondern leicht konisch, der kugelige Vom Halse zur Bauch etwas abgeplattet und ohne Standfläche. Schulter greifen 2 Oesenhenkel, von denen einer abgebrochen ist. Die Henkel stehen nicht genau einander gegenüber. Die Färbung ist bräunlich- rostfarben, der Ton gut geschlämmt ohne grobe Steinbei­mengung und schwach gebrannt. Innen und außen ist gut geglättet worden, doch scheint kein Ueberzug feinerer Tonmasse verwendet zu sein. Höhe 19,7 cm, Randdurchmesser 8 cm, Gewicht 773 g. Von Wichtigkeit ist die Verzierung nach Muster und Technik. Auch sie Der ganze Hals ist mit erweist das Gefäß als echte Kugelflasche. Dreiecks- und Rautengruppen bedeckt. Da sind zunächst 4 Reihen Dreiecksmuster, die äußerst regelmäßig und sorgfältig eingestochen sind, doch war der Druck so stark, daß sie auch auf der Innenseite als kleine Buckel sichtbar sind. Jedes Dreieck besteht aus 6 Winkel­stichen, die anscheinend mit einem Stempel aus Holz oder Knochen hergestellt sind. Anders wird es mit den folgenden 2-3 Reihen. Gleichsam, als hätte den Verfertiger die Geduld verlassen, sind hier ganz regellos, nur als Füllmuster, ungleiche Rauten aus 4 Winkelstichen angebracht. Den Schulterknick, der schon leicht abgerundet erscheint, umrahmt eine Kette von Winkelstichen, von der dann die typische Schulterverzierung, die Fransen, herab auf den Bauch hängen. Auch hier ist nicht gerade Sorgfalt angewendet worden. Nicht bloß, daß die Fransen ungleich lang sind und die Gruppen in der Zahl nicht übereinstimmen( vorn 4, hinten 5 Gruppen von 9-14 Fransen), sondern sie hängen auch nicht senkrecht herab, sind fast alle etwas nach rechts geneigt. Die Fransen sind im Furchenstich ausgeführt.