Heft 
(1924) 33
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linien noch an vielen Stellen, dadurch bedeutet er einen gewaltigen Schritt vorwärts, der noch größer ist als der, welcher den Lehrplan von 1914 von dem von 1902 trennt. Der Schritt durfte gewagt werden, denn durch planmäßige Arbeit war in der dazwischen liegenden Zeit die Lehrerschaft auf ihre kommenden Aufgaben vorbereitet worden. Ich darf hier einschieben: Durch den Zusammenschluß im Reichs­bund Heimatschule waren die führenden Vertreter des Gedankens auf den Heimatschulwochen in Würzburg 1921, Gießen 1922 einander näher getreten, und westdeutsche Gedanken und Vor­aussetzungen hatten sich mit norddeutschen berührt. 1924 verschmolzen auf der Heimatschulwoche in Lauterbach in tiefgründigen Aus­sprachen und Vorträgen die beiden Richtungen zu einer. Es ist selbst­verständlich, daß diese Verschmelzung auch auf die künftige Arbeit in Berlin stark einwirken wird. Dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß es Aufgabe der Heimatschule sei ,,, die Volksgenossen zu volksbewußten Deutschen zu erziehen,

die fest auf dem Boden der Heimat stehen,

die mit Herz und Sinn sich ihre Umwelt zur Heimat werden lassen, die offenen Auges die unlösbaren Zusammenhänge sehen, die den Menschen mit dem Boden, der Natur, der Vergangenheit der Heimat und durch wirtschaftliche und kulturelle Vorgänge mit der weiten Welt verbinden, die ihre Heimat mit brennendem Herzen lieben und ehren."

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Felix Heuler- Würzburg umschrieb in Lauterbach das Ziel so: Menschen wollen wir, die mit dem heiligen Boden ihres Vater­landes und mit ihrem Volke aus innerster Ueberzeugung zu einer unerschütterlichen Gemeinschaft verwachsen, zu Gemeinschaft, für die sie gern mit Gut und Leben einstehen, weil sie sich nach Vaterland, Daseinsnotwendigkeiten und Zielen schicksalhaft mit ihm verbunden fühlen. Heimatfroh, ihrer selbst bewußt, sollen sie auf deutschem Boden stehen, schutz­bereit, opferwillig und doch auch verständnisvoll für die Menschen einer anderen vaterländischen Heimat", die das gleiche Recht auf Unverletzlichkeit hat wie die eigene." ¹)

Durch die Richtlinien und durch den neuen Lehrplan haben wir die Möglichkeit, die Heimatschule zu verwirklichen. Die nächste Arbeit muß nun sein, dafür zu sorgen, daß sie nicht auf dem Papier stehen bleibt, sondern daß sie lebensvoll gestaltet wird. Dies ist nicht nur eine Aufgabe der Schule, der Lehrer und der Schulbehörden, vielmehr eine der Volksgesamt­heit. Und innerhalb dieser liegt die Pflicht dazu ganz besonders auf den Vereinigungen, die seit Jahrzehnten Heimater­kundung und Heimaterforschung gepflegt haben. Deshalb übernahm ich gern den Auftrag, diesen Bericht zu schreiben, der zugleich Dank und Bitte an die, Brandenburgia" ist: Dank für die vielfachen Hilfen und Anregungen, die wir empfingen, Bitte um noch weit ausgedehntere Hilfe; denn in der Brandenburgia" und in dem Schwesterverein für die Geschichte Berlins treffen sich die, die uns die Quellen zugänglich machen können, die wir brauchen, um in unsern Kindern die Heimat lebendig werden zu lassen; treffen

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1) Bericht über die Heimatschulwoche in Lauterbach i. H., zu beziehen für 0,30 M. in Marken von der Heimat- Schulsammlung, Berlin N. 113, Ibsenstr. 17; Der Bericht enthält eine Reihe wertvoller Beiträge für den Aufbau der Heimatschule.