Heft 
(1924) 33
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sich aber auch die, die uns helfen können, die Elternschaft und die Bevölkerung aufzuklären über das, was die Heimatschule will. Es darf sich nicht wiederholen, daß ein Buch erscheint, das allen Lebens­regungen Berlins nachspürt, aber nicht ein einziges Wort über die Schulen bringt. Ich bedaure dieses Fehlen im Scheinwerfer" deshalb, weil es zeigt, wie gleichgültig weite Kreise der Schule gegenüber Unsere Schule kann nur leben, stehen. Das darf nicht so bleiben. wenn sie nicht nur finanziell, sondern seelisch und geistig von der Gesamtheit getragen wird. Es würde weder der Schule noch dem Volke schaden, wenn die Volksgenossen ohne parteipolitische Verblendung teilnähmen an dem Ringen der Geister, das um das Neuwerden der deutschen Schule gekämpft wird, die heute schon lange nicht mehr dem Bilde entspricht, das die meisten Erwachsenen sich auf grund ihrer Erinnerungen und Erfahrungen machen und das meist reicher an Schatten als an Licht ist.2)

In der Heimatschule werden wir vieles entbehren können, was bisher selbstverständlich war, wir werden andrerseits manches, vieles gebrauchen, an dem wir bisher fast achtlos vorüber gingen, weil es , zu nahe lag!" Entscheidend wird immer die Frage sein, inwiefern man den Stoff verwenden kann, um dem Kinde zu helfen, ein Glied der Heimat- gemeinschaft zu werden, niemals darf der soge­nannte objektive Wert" des Stoffes bestimmend sein. Die Sorge um diesen objektiven Wert" ist eine, und nicht eine der kleinsten Ursachen dafür geworden, daß eine ungeheure Zahl Die Um­unsrer Volksgenossen wurzelloses Treibholz wurde. wertung wird sich aber nicht nur auf den Stoff, sondern auch auf Lehrmittel und Lehrweisen ausdehnen müssen. Und daraus wieder ergibt sich, daß in der Lehrerausbildung grundsätzlich andere Wege einzuschlagen sind. Wir verhehlen uns keinen Augen­blick, daß ein nicht geringer Teil der Lehrerschaft einfach nicht im­Unsere stande ist, sofort unsere Forderungen in die Tat umzusetzen. Ausbildung, unsere behördliche Leitung legte gerade auf das, was wir fordern müssen um der Zukunft des deutschen Volkes willen, wenig Wenn Es war ja bei uns allein nicht so: oder gar keinen Wert. Stellen zu besetzen sind, bei denen es gilt, ganz in unserem Sinne zu wirken, muß zu allermeist recht sehr gesucht werden und die Aus­führung manch guten Planes mußte aufgegeben oder verschoben werden aus Mangel an Kräften. Bei aller nicht zu unterschätzenden Universal­oder Spezialbildung, die die Universitäten usw. übermitteln, fehlen uns heute die Männer, die wir brauchen, denen das Herz für die deutsche Heimat brennt und die wissenschaftlich fest genug stehen, um der Lehrerschaft Führer zu sein. Die wenigen, die wir haben, können es nicht schaffen. Wir brauchen Führer, Heimatschulleute von hohem seelischem nnd wissenschaftlichem Wert. Nicht aus Uebermut hat der Reichsbund Heimatschule" die Gründung von Heimatinstituten gefordert: Wir brauchen für unsere zukünftige Schule Lehrer, die zugleich wissenschaftliche Grundlage von großem Ausmaß und reiche Verknüpfung mit den

2) Wer sich schnell mit den Gedanken vertraut machen will, die beim Aufbau des Lehrplans leiteten, der greife zu der Einführung in den Lehrplan für die Volksschulen Berlins," herausgegeben vom Lehrerverband Berlin( 252 S. geb. 2,50 M.) Curt Thiem, Friedrichsgracht 16.