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gemütlichen, übersinnlichen Werten der deutschen Heimat besitzen. Wir halten deshalb fest an der Forderung, daß alle Lehrenden Heimatinstitute besucht haben, daß deshalb diese Heimatinstitute gegründet werden müssen. Nur dann, wenn der Lehrerschaft die Möglichkeit gegeben wird, sich wirklich gründlich vor- und weiterzubilden, ist die Gewähr dafür vorhanden, daß einmal die Forderungen der Richtlinien und des neuen Lehrplans, die in diesem Punkte viel weiter in die Zukunft weisen, als es sehr viele gegenwärtig erfassen, erfüllt werden können. Und doch: Hätten die Kräfte, die Richtlinien und Lehrplan schufen, nicht sicher gewußt, daß wenigstens teilweise die Forderungen erfüllt werden könnten, wenn die Bahn freigemacht würde, so durften sie sie zum mindesten im Lehrplan nicht zum Ausdruck bringen. Die Lehrerschaft hat trotz der schweren Zeit, die hinter uns liegt und in der wir noch stehen, bewiesen, daß sie vorwärts, weiter will. Um nur auf ein Beispiel hinzuweisen: Die Diesterweg Hochschule, die die Weiterbildung der Lehrerschaft in planmäßige Wege leitet, hatte im Sommerhalbjahr fast 1200, jetzt im Winterhalbjahr über 2200 Hörer. Das will etwas heißen, wenn man bedenkt, daß die Hörer den weitaus größten Teil der Kosten selbst tragen. In der Lehrerschaft lebte schon immer ein großer Trieb zur Weiterbildung; so stark wie jetzt sind aber die Einrichtungen nie benutzt worden. Wir wünschen uns nun noch, daß der Staat einen ähnlichen starken Trieb empfange, um da zu fördern, wo er eigentlich führen müßte. In den Kursen der Diesterweg- Hochschule sind stets die, die sich mit der Heimat beschäftigen, mit am besten besucht, obwohl sie zum Teil hohe körperliche, geistige und finanzielle Anforderungen stellen und stellen müssen. Der Wille ist also in der Lehrerschaft vorhanden. Ihn nicht ersterben zu lassen, muß heiligste Aufgabe aller sein, die das deutsche Volk und das deutsche Vaterland lieben! Vom Willen zur Ausführung ist ein weiter Weg! Immer wieder klingt mir aus Lehrermunde die Frage entgegen: Wie machen Sie es? Ich glaubte, daß hier die Tat mehr bedeute als das Wort. Deshalb griff ich mit meinem Mitarbeiter Erich Kube u. a. herzhaft zu, als sich die Gelegenheit bot, in freigewordenen Klassenzimmern die 1. Heimat- Schulsammlung³) zu verwirklichen. Scheinbar zunächst etwas Unnötiges, denn wir haben in Berlin eine Heimatsammlung im Märkischen Museum", die geradezu Mittelpunkt unsers heimatlichen Unterrichts so sehr geworden ist, daß sie eigentlich schon längst von der Schuldeputation übernommen sein müßte. Mit dieser Sammlung irgendwie in Wettbewerb treten zu wollen, wäre grober Unfug und närrische Kraftverschwendung. Wir wollen in unserei Heimat- Schulsammlung nur verdeutlichen, wie wir mit unseru Kindern auf der Wanderfahrt und in der Klasse in das Wesen der Heimat eindringen. Das Wagnis gelang insofern, als wir die Gelegenheit bekamen, der Lehrerschaft an Beispielen zu zeigen, wie wir Heimatunterricht treiben. Es soll aber nicht verschwiegen sein, daß der Magistratsoberschulrat Nyd a h 1 verständnisvoll uns die Wege ebnete; ohne seine stets bereite Hilfe wären wir nicht so weit, wie wir sind. Ob unsere bescheidene Arbeit ein Anstoß mit dazu war, daß der
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3) Heimat- Schulsammlung, N. 113, Ibsenstr. 17, geöffnet Mittoch v. 4-7 Uhr. an andern Tagen nach Übereinkunft.
( Fernsprecher des Leiters: Humboldt 7939.)