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Die Historiker glauben die Erhebung Berlin- Cöllns zur Stadt um 1230 annehmen zu können. Vielleicht mit Recht; es spricht vieles dafür. wenigstens wenn auch manches dunkel bleibt Meine Einwendungen richten sich nur gegen die weitere Folgerung, daß vorher keine Siedlung bestanden habe. Wie soll man sich überhaupt das Entstehen einer städtischen Siedlung vorstellen? Soviel steht heute fest, daß eine Stadt erst dann Marktrechte erhielt, wenn sie bereits einen erheblichen Handel hatte und genügend Kaufleute und Gewerbetreibende vereinigte, um eine städtische Entwicklung zu rechtfertigen. Diese können nicht in 5-6 Jahren eingewandert sein, sondern müssen bereits längere Zeit dort eine Heimat gefunden haben. Wir werden auch bei Berlin- Cölln- angenommen, daß sie wirklich
erst um 1230 Stadtrechte erhielten
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mindestens mit einer Dauer
von etwa 30 Jahren rechnen müssen, bis eine so zahlreiche deutsche Bevölkerung vorhanden war, um dem neuen städtischen Gemeinwesen eine gesicherte Zukunft zu gewährleisten.( Siehe Rathenow.) Und was zog die Einwohner nach Berlin- Cölln? Wohl schwerlich der Ruf des Markgrafen allein, der die Gründung einer Marktsiedlung in Aussicht stellte, sondern mehr die Möglichkeiten, in dem ihnen durchaus nicht unbekannten Lande kaufmännisch Fuß zu fassen und von hier aus weitere Verbindungen mit den nördlich und östlich anschließenden Gebieten anzuknüpfen. Der einzelne tat das, wie es aus der Frühgeschichte Rußlands hervorgeht, auf eigene Gefahr; er ging indessen oft auch unter in der Menge des fremden Volkes. In Brandenburg standen aber hinter den Handelsinteressen noch die politischen Pläne der Markgrafen, die durchzuführen nur durch eine Es lag in geregelte und umfangreiche Kolonisation möglich waren. ihrem Interesse, das Eindringen deutscher Bauern, Gewerbetreibender und Kaufleute zu begünstigen, auch wenn die Gebiete noch nicht So wird man sich ein offiziell ihrem Staate angegliedert waren. langsames Durchdringen der deutschen Bevölkerung in dem Teltow vorzustellen haben, die auch in Berlin immer zahlreicher wurde, bis eines Tages die Markt- und Stadtgerechtigkeit den bestehenden Zuständen die öffentlich- rechtliche Form gab.
Die beiden Siedlungsformen: Berlin als Runddorf, Colonia als Das erstere als Angerdorf, sind zugleich Vertreter zweier Zeitalter. ein Ueberlebsel der alten Barnimdörfer, das andere als Träger der deutschen Kolonisation, die das Slawentum überwand.