21. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
165
fast demselben Inhalt ist im Berliner Pergamon-Museum zu sehen und wurde von den Brandenburgia-Mitgliedern bei der Besichtigung dieser Sammlung unter freundlicher Führung des inzwischen an die Universität Greifswald berufenen Professor Dr. Pernice in Augenschein genommen.
XVII. Die Leichenbrandurne von Karlshorst im Märkischen Museum zu Berlin. Eine vorgeschichtliche Studie von Dr. A. Kieke- blisch. Unser hochgeschätztes Mitglied hat in der Sonntagsbeilage der Yossischen Zeitung vom 14. Februar 1909 hierüber eine populäre Darstellung gegeben, der wir folgendes entnehmen:
„Unter den zahlreichen wertvollen Funden der prähistorischen Abteilung des Märkischeu Museums befindet sich eine sehr interessante und wegen ihres Inhalts auch für die Wissenschaft bedeutsame Urne von Karlshorst. Sie steht im letzten Mittelschaukasten des großen Saales, der die Altertümer aus der La Töne- und der römischen Kaiserzeit aufgenommen hat. Die Urne von Karlshorst wurde vor einigen Jahren vom Baumeister Gregorovius beim Bau eines Hauses aufgefunden und dem Märkischen Museum überwiesen. Sie ist aus gelblichem, gut gebranntem Ton gefertigt. Der etwas nach außen gebogene Rand setzt sich nicht allzu scharf vom Halse ab. An der Schulter sieht man einige Rillen, die sich rings um die Urne herumziehen. Der untere Teil ist durch 5 Gruppen von je 5 Rillen, die von der Schulter zum Boden laufen, verziert. Der Henkel ist leider abgebrochen. Neben seiner unteren Aufsatzstelle sitzen drei stumpfe, kegelförmige Zapfen, und zwar der eine unter, die beiden anderen rechts und links neben dem Henkelansatz. In der Urne lagen und liegen noch Knochenreste, die den untersten Teil des Tongefäßes füllen. Auf diesen menschlichen Überresten fand man zwei ganz gleich geformte Gewandnadeln oder Fibeln, die ihrem Zwecke und ihrer Form nach am ehesten mit unseren Sicherheitsnadeln verglichen werden können. Beide Fibeln sind aus Bronze hergestellt und ausgezeichnet erhalten. Die einzige Veränderung, die man an ihnen wahrnehmen kann, wurde hervorgerufen durch die dunkelgrüne schöne Patina (Edelrost), die ja fast alle alten Bronzen schmückt. Der Zahn der Zeit hat au diesem Funde nichts zerstört. Auch die Urne ist in vorzüglichem Zustande, ein Beweis dafür, mit welcher Sorgfalt und Geschicklichkeit das Gefäß dem Boden entnommen worden ist.“
Herr Kiekebusch versetzt die Urne, w r omit ich übereinstimme, ins 2. Jahrhundert nach Christus und bemerkt weiter:
„Die Urnenform, aber besonders die beiden Bronzefibeln finden wir nur auf Gräberfeldern der Germanen, und zwar auf solchen der Westgermanen. Der um das Jahr 200 in Karlshorst Begrabene kann also weder ein Vandale noch ein Gote noch ein Burgunder gewesen sein, noch kann er sonst einem der ostgermanischen Stämme angehört haben; er muß ein Westgermane gewesen sein oder mindestens unter West-