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22. (14. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vercinsjahres.
So haben wir denn viele Arbeit geleistet. Das Sprichwort sagt zwar: nach der Arbeit ist gut ruhen — aber für die Brandenburg^ besteht das Ituhen nur in einer Vertauschung der Arbeit. So tritt an die Stelle der Ruhe heut eine vergnügliche Wanderfahrt, zu welcher unsere Gäste besonders eingeladen werden.
Wie immer, gilt unser erster Festesgruß unserm Kaiser und König. Wir erinnern uns hent, in wie freudiger Stimmung und treuer Gesinnung wir dessen fünfzigsten Geburtstag vor wenigen Wochen gefeiert haben. Damals hingen über dem politischen Himmel schwere Wetterwolken, die sich ja Gottlob, nicht zum Wenigsten Dank der Staatskunst unseres Herrschers und seiner verantwortlichen Ratgeber, inzwischen zerstreut haben. Noch gilt es ein gewaltiges Kulturwerk innerhalb unseres weiteren und engeren Vaterlandes auszubauen, die Ausgleichung der Finanzen des Reichs und des Staats, eine Arbeit von der jeder Deutsche ohne Ausnahme mit betroffen wird, aber auch diese Ausgleichung wird gelingen, weil sie, wie der Reichskanzler dargetan, gelingen muß,
Noch bleiben uns zu erwähnen die schweren natürlichen Katastrophen, von denen erst der Süden Europas, nun aber leider auch unsere Altmark das Stammland der Mark Brandenburg sowie ein Teil uuserer Provinz in der Gegend von Wittenberge und llavelberg in Gestalt von ausgedehnten Überschwemmungen schwer heimgesucht worden ist. Aber auch hier ist Gottlob ein Fortschritt zum Besseren zu bemerken. Überall, — so auch hier — sehen wir die landesväterliche Fürsorge unseres brandenburgischen Markgrafen und seiner erlauchten Gemahlin.
Unsere Brandenburgs verehrt in S. Maj. ihren natürlichen Schutzherrn, dem wir jetzt unsere ehrerbietigste Huldigung mit dem Rufe darbringen: „Unser Markgraf Hoch — nochmals Hoch — immerdar Hoch!“
In einem zweiten Toast feierte Geheimer Sanitätsrat Dr. Thor ne r den I. Vorsitzenden und darauf verlas Herr Kustos Buchholz mehrere Depeschen, die eingegangen waren, z. B. eine von Julius Rodenberg und eine von Herrn Grubenbesitzer Franz Körner und Frau.
Von der Korona wurde gesungen ein Lied zum Preise der märkischen Heimat, das von Herrn Dr. Solger gedichtet worden war, und dann die beiden beliebten Brandenburgia Lieder, das Hallstattlied von Dr. Kade und das Mammutlied von E. Körner.
Mit den Tischliedern wechselten Gesangvorträge der Frau Konzertsängerin Luise Klosseck-Müller und Fräulein Friedei, die reichen Beifall ernteten.
Zur bleibenden Erinnerung an das Fest hatte Herr Grubenbesitzer Franz Körner für jede Dame eine zierliche Urne gestiftet mit einer frischen Farnkrautpflanze darin.