Heft 
(1910) 18
Seite
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23. (9. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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Doch war dies Alles an ihm? Nein!

Nicht allen konnte das Glück zu Teil werden, diesem seltenen Manne in seiner Arbeit nllhertreten zu können, von Tausenden als unbedingter Führer anerkannt, der mit gewaltiger Hand die Fäden des weitverzweigten Organismus seiner Unternehmungen in seinen Händen hielt. Wer ihn aber erkannte und ihm folgen durfte in Freundschaft und Zuneigung, der erkannte erst die ganze Universalität dieses Mannes, dessen ganzes Leben die Liebe zu seiner Familie, seinen Freunden und seinen Untergebenen verklärte, die in rührender Anhänglichkeit mit Herzen ihm zugetan waren.

Und wenn auch der häßliche Neid und die scheele Mißgunst sich an diesen Mann heranwagten und noch mehr von ihm vei'langten, als er schon in überreicher Fülle bot, sie alle mußten doch an­erkennen, daß seine Begabung ungewöhnlich, daß sein Talent als Organisator unübertroffen war.

Nicht jedem wurde es offenbar, mit wie heißer, rührender, Liebe er an seinen Geschwistern und deren Kindern hing, welch ein goldenes Herz er seinen Freunden entgegentrug und wie oft er es im Geheimen unternahm, die Tränen der Armut zu trocknen und diejenigen seiner Mitmenschen wieder aufzurichten, die durch die Stürme des Lebens und ein widriges Geschick niederzusinken drohten.

Durch sein ganzes Wesen ging neben dem Sinne für das Große der liebevollste Idealismus, geboren aus einem feinen, edlen und verständnisvollen Sinne für die Ereignisse des Lebens, der sein innerstes Wesen verklärte und ihm die Herzen ungezählter Tausende gewann. So gewann er Freunde ohne Zahl und so lebt er in heiligem Gedächtnis in ihrem Herzen.

Und nun, da die Parzen seinen Lebenslauf geendet und er von uns genommen ist aus blühendem Leben für immerdar, da heißt es bitteren Abschied nehmen, Ihr Freunde, von ihm, für seine letzte lange Fahrt.

So tut Euch denn auf, Ihr dunklen geheimnisvollen Pforten des Todes und Du, fernes unbekanntes Land, aus dem keine Wieder­kehr, nimm ihn auf in Deine heiligen Gefilde. In seeliger Ver­gessenheit, im Schutze der himmlischen Mächte soll er ausruhen von seiner Arbeit, die ihm sein Höchstes und sein Liebstes auf dieser Erde war.

Zur Gruft geleite Dich die Liebe Deiner Freunde:

Hermann Knauer fahre wohl fahre wohl!

Eine ausgezeichnete Photographie Knauers, Kniestück, welche den Mann, wie wir ihn kennen noch einmal in unsere trauernde Erinnerung zurückruft, liegt uns als ein Geschenk der Hinterbliebenen vor, für welches wir herzlich*danken.