Heft 
(1910) 18
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23- (9. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjabres.

Die Versammlung wolle sich zum Zeichen der Verehrung und der Dankbarkeit für nuser entschlafenes Göunermitglied von den Sitzen erheben. (Geschieht.)

XIII. Unserin verehrten Ausschußmitgliede Herrn Grubenbesitzer Franz Körner, welcher leider noch immer durch Krankheit ans Ilaus gefesselt ist, überreichte am 1. d. M. eine zahlreiche Deputation des Berliner Grundbesitzer-Vereins, zu dessen Vorstandsmitgliedern Herr Körner seit 25 Jahren gehört, die Ernennung zum Ehrenmitglied. Seitens der Brandenburgs, für die ich glückwünschte, waren zahlreiche Mitglieder erschienen. Die Wohnung, Händelstraße 9, war mit lebenden Blumen, Kränzen und Sträußen, seitens der vielen Verehrer des Jubilars aufs Prächtigste geschmückt worden.

XIV. Alfred Messel -j\ Als gewissenhafte Ileimatschronisten wollen wir den heut morgen leider erfolgten Tod eines unserer bedeu­tendsten und gleichzeitig für Berlin maßgebendsten Baukünstlers des Baurats Professors Dr. ing. Alfred Messel nicht übersehen, der dem modernsten Privatbau Berlins ebenso den Stempel seiner besondern Eigenart aufgedrückt hat, wie unser Mitglied Ludwig Iloffmanu den amtlichen Bauten der Stadtgerneinde Berlin.

Das, was Theodor Fischer für München, Hermaun Billing für Karlsruhe, Josef Olbrich für Dannstadt, das war Alfred Messel für die Reichshauptstadt: ein architektonischer Erneuerer dem die Götter ein reiches Maß schöpferischer Gaben in die Wiege gelegt hatten. Mit feinem Instinkt sagte er sieb, daß ein Künstler, namentlich aber ein Baukünstler, nie und nimmer mit der Tradition ganz brechen darf, will er der Entwicklung förderlich sein. Manche mögen Messel einen Epigonen nennen; damit schöpfen sie aber das Positive in ihm nicht völlig aus. Denn Messels Produktivität war mehr als nur eine leere Nachahmung historischer Bauforinen. Sie war in vielem wahrhaft per­sönlich, so feinfühlig er vergangenen Spuren auch zu folgen verstand. Hätte Messel weiter nichts geschaffen als das Warenhaus Wertheim, diesen monumentalen Ruhepunkt im Wogengetriebe der brausenden Weltstadt, er hätte schon damit ein Anrecht darauf erlangt, von uns ein schöpferischer Künstler genannt zn werden. Das war freilich auch Anpassungsfähigkeit, was dort zum Ausdruck kam, aber die Anpassungs­fähigkeit an die Forderungen unserer gärenden Zeit, herausgeboren aus dem Wirtschaftsmilieu der neuen Millionenstadt.

Der Messelsche Neubau der Berliner Handelsgesellschaft ist als Palastbaii unserer mächtigen Banken ebenso musterhaft wie der Neu­bau der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft für ein riesiges Bureau­gebäude; und in Häusern wie dem Eduard Simonschen in der Viktoria­straße und dem von Felix Simon in der Margaretenstraße besitzt Berlin die edelsten städtischen Villenbauten Messels. Erst in späteren Jahren