Heft 
(1910) 18
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23. (9. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjabres.

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wurde itun die Freude, auch zu öffentlichen Bauten berufen zu werden: Das Museum in Darmstadt gilt heute als der geschmackvollste moderne Museumsbau. Messels im Aufträge der Kaiserin erbautes Säuglingsheim ist soeben vollendet, und für die Königlichen Museen, zu deren Architekten er vor zwei Jahren berufen wurde, hat er einen Plan zum definitiven Ausbau der Museumsinsol entworfen, der als wahrhaft geniale Lösung dieser schwierigsten Aufgabe bezeichnet wird, zu deren Ausführung gerade der Grund gelegt worden ist. Messel baute wie jeder wahre Architekt, von innen nach außen; er ist stets vom Grundriß ausgegangen; erst wenn er diesen völlig durchgearbeitet hatte, dachte er an die Fassaden. Im Innern wie im Äußern seiner Bauten, selbst der reichsten, bewundern wir die vornehme Einfachheit, die großen Verhältnisse und das malerisch wirkungsvolle, schöne Material. Er hat es wie kein anderer verstanden, seine Bauten den jedesmaligen Bedürfnissen an- zupassen, ihren Zweck im Innern zu erfüllen und nach außen klar und monumental zum Ausdruck zu bringen. Wenn er darin, wie in seiner Fonnensprache, mit einzelnen süddeutschen Architekten verwandt er­scheint, so hat er vor diesen doch größere Ruhe und die Vornehmheit ge­schlossener Wirkung voraus, die der Ausdruck dieser in sich abge­schlossenen, bescheidenen Künstlernatur war. Messel hat weder einen alten Stil nachzuahmen gestrebt noch einen neuen Stil finden wollen; von den Alten hat er gern und viel gelernt, aber seine Aufgabe der Gegenwart entsprechend voll und schön zu lösen, das war sein Ziel und sein Stil.

Wie unser Hermann Knauer, wie der geniale Olbrich, dessen Werke ich kürzlich in Darmstadt zu studieren Gelegenheit batte, so ist auch Messel an einem Herzleiden gestorben. Mit Bedauern möchte man gerade auf die Todesursache der großen Künstler mit der Frage hin- weisen, ob dieselbe nicht durch Überanstrengung hervorgernfen oder mindestens genährt worden ist? Das sind in kurzer Zeitfolge nicht weniger als drei bedauerliche Beispiele des sich in sich selbst ver­zehrenden Genies.

Die Frage, welche der Brandenburgs am meisten am Herzen liegt, ist ohne Zweifel die, wer wird die von Messel entworfenen, mit Herrn Generaldirektor Dr. Bode durchgearbeiteten Pläne für die Neubauten der Staatsmuseen zur Ausführung und Vollendung bringen?

[Nachschrift vom April 1909. Die Antwort hierauf, enthaltend die denkbar glücklichste Lösung der Museumsbauprojekte hat kein geringerer als unser Kaiser mit kurzer Entschlossenheit gefunden, indem er den Wunsch aiissprach, daß unser hochgeschätztes Mitglied, Herr Stadtbanrat Dr. ing. Ludwig Hoffmann an Messels Stelle eintreten möge, wie dies Messel selbst, vielleicht in Vorahnung eines baldigen Todes, lebhaft gewünscht hat.